Jonsi - Go - Cover
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Jonsi Go


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 40 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Da sich seine Band Sigur Ros derzeit in einer Kreativpause befindet, begibt sich Sänger Jón Þór Birgisson auf Solopfade. 2009 veröffentlichte er zusammen mit seinem Partner Alex Somers das sehr gute „Riceboy sleeps“ Ambient-Album. Jetzt erblickt sein Solodebüt das Licht der Welt. Mit „Go“ präsentiert er ein Popalbum, aber wer ihn und seine Band kennt, weiß, dass sich dahinter kein Bubblegum-Pop verbirgt.

Schon der Opener „Go do“ und das folgende „Animal arithmetic“ zeigen einen deutlichen Unterschied zu seinen Bandaktivitäten. Während Sigur Ros für getragene Melodien mit ungewöhnlicher Strukturierung stehen, lotet Jónsí erst einmal seine Drum&Bass-Qualitäten aus. Aber Jónsi wäre nicht Jónsi, wenn er dieses Musikgenre nicht mit Details füllen würde, die man an dieser Stelle nicht erwarten würde. Die Klangvielfalt erschließt sich dem Hörer erst bei mehrmaligem Hören. Zudem variiert der Isländer seinen Gesang und neben seiner bekannten glasklaren Falsettstimme, singt er hier erstmals auch mit „normaler“ Singstimme. Der Song funktioniert auf allen Ebenen gut, ob jedoch der hektische Drum&Bass-Stil zum Gesang passt, dürfte Geschmackssache sein.

Danach wird es ruhiger. „Tornado“ ist bis kurz vor Schluss eine wunderbare Klavierballade, lediglich von Jónsís Stimme und leisen Streichern im Hintergrund getragen. Der plötzliche Wechsel, als mehrere Instrumente einsetzen und trotz beibehaltener Melodie ein Klanggewitter par Excellenze entfachen, beendet die Träumerei. Würde in den letzten Sekunden nicht wieder Ruhe einkehren, der Hörer würde verstört hinterlassen.

Auf der Suche nach dem perfekten Popsong wird man bei „Boy Lilikoi“ fündig. Eine fröhliche Grundstimmung lädt zum Tanzen ein, das Lied ist sehr eingängig und recht einfach strukturiert. Das wiederum eine Fülle von Instrumenten, auch klassische, integriert werden, macht den Track dann auch für Freunde anspruchsvollen Pops zu einem kleinen Juwel. Melancholisch wird es bei „Sinking Friendship“. Wie der Titel vermuten lässt, verarbeitet der Sänger darin offensichtlich persönliche Erfahrungen. Eine getragene Melodie verbreitet hierzu eine schwermütige Stimmung, der man sich kaum entziehen kann. Selbiges gilt auch für das nächste Stück „Kolnidur“. Allerdings kommt hier noch hinzu, dass der für die meisten Hörer unverständliche isländische Text Platz für Assoziationen und Gefühle lässt. Dies gilt vor allem für den Umschwung nach 1:45 Minuten, als der Track etwas an Schwung aufnimmt, ohne dabei die Grundstimmung zu verlieren. Gänsehaut pur!

Mit „Around us“ und „Grow til tall“ folgen zwei Songs, die eng miteinander verbunden sind. So heisst es im Refrain von „Around us“ auch „We all want to grow with the seeds we sow“. Schwungvoll und gut tanzbar ist der Song ein Geheimtipp für Discos, die auch mal Lieder spielen, die nicht zum Standardprogramm gehören. „Grow til tall“ beginnt hingegen mit geradezu mystischen Klängen und vermittelt mit der Zeile „In the End we´ll fall“ eine fasst depressive Stimmung. Die Orgelklänge die sich im Hintergrund bis zum Ende hindurch ziehen, verstärken das Ganze bis zu dem verstörenden Ende, als Industrialklänge die Melodiebögen überlagern und mit der sich immer wiederholenden Zeile „You´ll know“ eine Bedrohung suggerieren, der zu entziehen kaum möglich ist. Der Closer „Hengilas“, wiederum in Isländisch gesungen und nur mit Streichern begleitet, schließt ruhig und wunderschön ein Album, das von tollen Balladen bis zum perfekten Popsong alles enthält, auch wenn die Drumm&Bass-Ausflüge sicherlich hier und da etwas irritieren. Für Freunde des anspruchsvollen Pops ein Muss!

Anspieltipps:

  • Tornado
  • Boy lilikoi
  • Kolnidur
  • Around us
  • Hengílas

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