Kaki King - Junior - Cover
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Kaki King Junior


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn man wie Kaki King als einzige Frau auf der „The new gods of Guitars“-Liste des US-Rolling-Stone-Magazins steht, dann ist dies aller Ehren wert. Dass sie das Handwerk versteht, zeigte sie schon bei vielen Konzerten weltweit. Auch bei den vier bisherigen Veröffentlichungen der 30jährigen Amerikanerin seit 1993 konnte man ihre speziellen Tapping-, Picking- und weitere Techniken deutlich heraushören. Wie bereits auf der „Mexican Teenager EP“ zu hören war, hat sich Kaki inzwischen dazu entschieden ihrer Stimme mehr Raum im Klanggefüge zu geben und kehrt sich weiter vom reinen Instrumentalspiel ab. So auch auf dem neuen Album „Junior“, welches nun veröffentlicht wird. Dort sind mit „Everything has an end, even sadness“, „My nerves that committed suicide“ und „Sloane shore“, nur noch drei Instrumentalstücke zu finden.

Während der Beginn von „The betrayer“ noch an die alten Zeiten erinnert und man Kaki Kings Spieltechnik noch erahnen kann, mutiert der Song nach und nach zu einer waschechten Indie-Rockhymne. Die ehemals verschrobenen Songstrukturen wurden hier weitgehend ad acta gelegt, sieht man mal von einem Instrumentalsolo ab. Dafür gibt es jetzt Strophe-Refrain-Strophe-Schema der allseits bekannten Art. Mit „Spit it back in my mouth“ wird dann gewaltig auf die Bremse getreten und der Song schmeichelt sich balladesk ins Ohr. Ab der Mitte nimmt das Lied zwar wieder an Fahrt auf und man erkennt, dass die Gitarrenpedale von Frau King wohl auch noch genutzt werden. Dennoch will auch hier der Funke nicht recht überspringen.

„Everything has an end, even sadness“ als erste Instrumentalnummer geht den neu eingeschlagenen Weg weiter. Sehr entspannt, rhythmisch von den beiden Begleitmusikern Dan Brantigan und Jordan Perlson interessant aufbereitet, fließen die nächsten Minuten melancholisch, für manch einen langweilig, am Ohr vorbei, um dann durch „Falling day“ sehr rockig und lebhaft abgelöst zu werden. Geschickt verschachtelter Rhythmus, verwobene Songstrukturen und variabler Gesang lassen die 5:30 Minuten zu einem ersten Höhepunkt des Silberlings werden. So könnten Sonic Youth klingen, wenn Kaki King dort mitspielen würde.

Die sehr ruhige Atmosphäre bei „The hoopers of Hudspeth“, diesmal durch geschickt eingesetzte Bläser unterstützt, gibt bis auf wenige Ausnahmen das Tempo der zweiten Hälfte des Albums vor. „My nerves commited suicide“ kann zumindest mit einem interessanten Crescendo zum Ende hin aufweisen, klingt ansonsten belanglos. Ähnliches gilt auch für „Communist Friends“, allerdings ist hier die Diskrepanz zwischen dem balladesken Beginn und Rockende stimmiger gelöst. Danach plätschert das Album vor sich hin und klingt mit „Sunnyside“ immerhin wunderschön aus.

Ein Blick in die Presseinfo verrät, dass Kaki King von dem Thema Spionage und der Idee eines Spion-Doppellebens inspiriert wurde. Zudem sei sie sehr an der Geschichte des kalten Krieges interessiert. Allerdings wird im Pressetext auch ein Unterschied in der Auffassung der Texte deutlich. Während die Gitarristin die Texte als themenbezogen und teilweise sehr persönlich bezeichnet, nennt sie sie an anderer Stelle sinnfrei. Zudem betont sie, dass sie die CD vor allem für sich gemacht hat um im nächsten Atemzug zu sagen, dass sie gespannt ist wie die Hörer sie auffassen werden. Die Dissonanz der Aussagen, gepaart mit der Idee des Doppellebens als Spion, ergibt ein zwiespältiges Bild und der Leser sollte sich daraus ein eigenes Bild machen.

Selbiges gilt dann auch für die CD. Alte Fans dürfte sie mit der neuen Scheibe reihenweise vor den Kopf stoßen, offene Rockhörer jedoch neu für sich hinzugewinnen. Auch die gezielt unsaubere, kratzige Produktion von Malcom Burn dürfte für Irritation in einer Zeit glattpolierter Radiomusik sorgen. Ein Album also, dass nicht Fisch, nicht Fleisch ist und bei dem leider nur wenig beim Hörer haften bleiben wird. Man darf gespannt sein, wie sich die Verkaufszahlen der Amerikanerin mit diesem Stilwandel entwickeln.

Anspieltipps:

  • Falling day
  • Communist friends
  • Sunnyday

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