Portugal. The Man - American Ghetto - Cover
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Portugal. The Man American Ghetto


  • Label: Defiance Records/CARGO
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn Fanfreundlichkeit einen Namen hätte, lautete der wohl Portugal.The Man. Die Band aus Alaska, die jetzt in Portland lebt, veröffentlichte innerhalb von vier Jahren vier Alben und hat nun ein besonderes Ostergeschenk parat: Auf Ihrer Homepage kann man das neue Werk „American Ghetto“ kostenpflichtig herunterladen und im Mai erscheint das ganze dann in limitierter 16.000 Auflage auf CD und Vinyl. Wenn man das zusammenrechnet, sind das Kosten von ungefähr 13 Euro inklusive Versand für den Download und die CD, die man zusammen bestellen kann. Da ist das Fanherz sehr erfreut.

Es geht auch ohne Plattenfirma, scheint die Botschaft zu sein, allerdings bleiben Portugal.The Man bei der jetzigen namens Equal Visions, sie wollten einfach ihren Fans etwas Gutes tun und haben diese Aktion vor finanziert. Den ersten Song „Dead Song“ schenken sie sogar ihren Fans, das machten sie bisher bei jedem Album.

Eine musikalische Entwicklung von der ersten CD bis zum jetzigen Output ist auf jeden Fall festzustellen: Zu Beginn ihrer Karriere präsentierten Portugal.The Man sperrigen Indie-Rock, der in fast keine Schublade passte. Im Laufe der Zeit änderte sich musikalisch einiges: (Indie-)Popmusik wurde spätestens auf „Censored Colours“ gereicht, was die alten Fans nicht begeisterte: Der Verdacht Mainstream zu hören, erschreckte die harten Fans, doch schütteln die Amerikaner locker diesen Vorwurf ab, dafür fehlt ihnen erstens der Singlehit und zweitens die Überraschungsmomente bleiben hörbar erhalten. Ihre Musik pendelt zwischen 70er Jahre Rock mit psychedelischen Momenten, also Retro-Rock, Soul und HipHop-Elementen sowie Indie-Pop, also ein sehr weites musikalisches Feld, das sie da beackern. Die elf neuen Tracks klingen abwechslungsreich wie fast jede Platte von den vier Musikern: Den Anfang macht „Dead Dog“ mit psychedelisch angehauchtem Retro-Rock, gefolgt von dem sehr kurzen Intermezzo „Break“, welches nur Instrumentenspielerei mit verzerrten Gesang offenbart.

Bei „All my people“ und „When the war ends“ tummeln sich Portugal.The Man wieder im Poparea oder was sie darunter verstehen „1000 Years“ gibt uns gewohnt starke Gitarren und doch einen gewissen HipHop-Touch, dass schaffen nur Portugal.The Man. Eine Keyboard-Ballade (!) stellt „Just an fool“ dar, das mit harmonischen hohem Gesang und schwermütigen schleppenden Instrumenten trotzdem beeindruckt. Nach einigen Hördurchgängen entdeckt man immer etwas neues, vor allem diesen erhöhten HipHop-Anteil, der aber sich in den gitarrenorientierten Sound seltsamerweise nahtlos einfügt.

Portugal.The Man schaffen es immer wieder, ihre zahlreichen musikalischen Facetten zu präsentieren und dieser fünfte Streich, der trotz oder gerade wegen der leider nur 36 Minuten Spielzeit, vollbringt das Kunststück, den geneigten Hörer mit wahlweise komplexen wie auch zeitweise eingängigen Songstrukturen zu überraschen und gleichzeitig größtenteils sogar zu begeistern.

Anspieltipps:

  • All my people
  • 1000 Years
  • Just a Fool
  • When the war ends

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