Paul Weller - Wake Up The Nation - Cover
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Paul Weller Wake Up The Nation


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Wake Up The Nation“ ist gewiss kein gewöhnliches Paul-Weller-Album. Dazu setzt der 51-Jährige sein raues Konzept viel zu radikal um.

Für sein letztes Studioalbum „22 Dreams” (05/2008) verballerte Paul Weller fast seinen kompletten Fundus an Songideen, so dass mit einer neuen Platte nicht so schnell zu rechnen war. Dass mit „Wake Up The Nation“ doch schon jetzt, kaum zwei Jahre später, ein frisches Werk in die Verkaufsregale kommt, ist einer veränderten Arbeitsweise des 51jährigen Engländers geschuldet.

Zusammen mit Stamm-Produzent Simon Dine wurde zwar wie üblich in Paul Wellers Black Barn Studio in Surrey aufgenommen, doch anders als sonst musste über die musikalische Ausrichtung und Konzepte nicht mehr groß diskutiert werden. Dine gab die Richtung vor und die lautete, dass „Wake Up The Nation“ den Hörer als reinrassiges Rockalbum mit zum Teil wütenden Texten aufrütteln soll – ohne natürlich den besonderen Charme des Modfather-Sounds zu vernachlässigen.

„Wake Up The Nation“ ist ein ungewöhnlich schroffes Album mit einer knackigen Spielzeit von nur 40 Minuten – und das bei immerhin 16 Songs. Da heißt es auf den Punkt zu kommen und im Zweifelsfall die Songs einfach auszublenden. Davon macht Weller dann auch gerne Gebrauch und würgt die Tracks mehr oder weniger ab, wenn sie alles erzählt haben. Dadurch wirken diese zum Teil unfertig („In Amsterdam“), skizzenhaft („Fast car/slow traffic“) und bisweilen surreal („She speaks“) bzw. psychedelisch angehaucht („Pieces of dream“, „Andromeda“), weil Weller sich auch noch einen Heidenspaß daraus macht, schräg klingende Geräusche in die Songs einzubauen („Up the dosage“).

Dem Fluss des Albums tut diese Art Zerrissenheit trotzdem gut. Denn so kommt niemals Langeweile auf, während in „Moonshine“ auf ein Honky-Tonk-Piano gedroschen wird, im Titelsong gerumpelt und gerockt wird, im Soul-Funk-Track „Aim high“ massive Bläserriffs und Streicher aufeinander treffen und sich Weller mit dem Blue-Eyed-Soul-Lied „No tears to cry“ vor den Walker Brothers verneigt, die in den 60er Jahren eine Reihe Singlehits landen konnten.

„Wake Up The Nation“ ist gewiss kein gewöhnliches Paul-Weller-Album. Dazu setzt der 51-Jährige sein raues Konzept viel zu radikal um. Das ist zwar grundsätzlich spannend, bringt aber auch ein paar obskure Songs mit sich, die bei einer anderen Arbeitsweise vielleicht nicht auf einem Paul-Weller-Album gelandet wären. So geben ein paar wenige altbekannte Klänge experimentierfreudigen Kompositionen die Hand, was alte Weller-Fans womöglich erst mal verdauen müssen.

Anspieltipps:

  • Aim high
  • Andromeda
  • Wake up the nation
  • Find the torch, burn the plans

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