Donots - The Long Way Home - Cover
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Donots The Long Way Home


  • Label: Solitary Man/INDIGO
  • Laufzeit: 36 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Donots und ihr Punkrock für alle, die keinen echten Punkrock mögen, sind verdammt professionell geworden mit den Jahren.

Rock für das US-College-Radio und die Attribute belanglos und genreverwässernd scheinen zusammenzugehören, wie die katholische Kirche und ihr Zölibatumsetzungsproblem. Insofern ist den Donots und ihrem achten Studioalbum „The Long Way Home“ nichts Neues vorzuwerfen. Im Gegenteil: konstatiert werden muss, dass – angesichts eines sechszehnjährigen Bandbestehens – Übung zwar nicht immer den Meister, wohl aber standhaft macht.

Die Donots und ihr Punkrock für alle, die keinen echten Punkrock mögen, sind verdammt professionell geworden mit den Jahren. Geerdet, zielsicher und in sich stimmig präsentiert sich ihr Sound zu Beginn der Zehnerdekade des 21. Jahrhunderts. Ein wichtiger Grund dafür könnte sein, dass sie schon lange keinen Hehl aus ihrer musikalischen Grundausrichtung machen, sich selbst treffend zu verorten wissen und Zuschreibung zu irgendeiner Art von härterer musikalischer Subkultur ohnehin nur noch beständig von gewissen maßlos ahnungslosen Medien kommt. Zum Beispiel stellte Sänger Ingo Knollmann bereits 2004 in einem Interview unmissverständlich fest: „Das sind die zwei Extreme, die bei uns aufeinanderprallen: Wir haben tendenziell schon immer einen sehr hohen Popfaktor, dem aber eine sehr energetische Instrumentierung gegenübersteht. Ich mache aus unserem Pop-Appeal auch gar keinen Hehl. Im Gegenteil: Im Studio bastele ich an einem Stück oft so lange rum, bis es fast an 80er-Pop angelehnt ist. Das ist bei uns schon immer eine sehr powerpoppige Angelegenheit.“

Nun, da geklärt wäre, was die Donots tatsächlich sind, oder besser: was sie definitiv nicht sind, darf man ohne Umschweife meinen, dass ihr neues Werk sehr solider und überzeugender Power-Pop-Rock ist, der dem Punkrock den ein oder anderen flotten Akkord zu entnehmen weiß. Ihr Hymnikaspekt – die Donots funktionieren quasi live ohne Publikumschöre nicht – versteht sich auch immer besser auf den Alben wiederzuspiegeln. Erfahrung ist oft Gold wert. So läutet „Changes“ die Donots-Hymnik-Reise behutsam und tatsächlich ansprechend ein und ist „Calling“ furchtbarster Colle-Rock-Bubblegum-Punkrock in dem alle Kitschregister gezogen werden, aber wie eingangs konnotiert: wem’s gefällt. Auf „High & Dry“ gibt es zu dem Mitsingaspekt gut drückende Rock-Riffs, bevor mit „Dead Man Walking“ und „Make Believe“ die stärksten und auch rockigsten Stücke des Album aufwarten, kreative Ausblendung in überraschende Tuba-Töne und schnelle, tatsächlich mal punkige Hormonausschüttung inbegriffen. Dass die Kitschskala danach wieder nach oben offen ist, dass wir besser nicht ernsthaft eruieren wollen, was uns Sänger Ingo in „Hello Knife“ mit tendenziell defizitärem Englisch erzählen will: geschenkt. Die Donots wollen so klingen. Und so sein. Müßig also ihre Lyrik mit Tom Waits zu vergleichen, ihr Riff-Spektrum mit dem von Kurt Cobain.

Diese Donots, sie machen ihre Sache ganz gut, das Problem ist eher die Sache. Im weiten Meer des Rock bleibt dieser Sound natürlich harmloser Durchschnitt. Die Hälfte wird sich dafür erwärmen, die Hälfte abwenden. Einstweilen kann man die Entscheidung für oder gegen die Donots auf eine Futurama-Folge versinnbildlichen, in der sich Bender erzürnt und ordentlich kloppe androht, weil sein geliebter Alternative-Rock-Sender vom langweiligen Planet-Express-Raumschiff umgestellt wurde auf College-Rock. Bender oder das Planet-Express-Schiff. Beide dürfen ja wohl – in unserer heutigen bunten Welt – mit ihrem Geschmack auf der Musik-Arche Noah verweilen.

Anspieltipps:

  • Changes
  • Dead Man Walking
  • Make Believe
  • High & Dry

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