Auf Der Maur - Out Of Our Minds - Cover
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Auf Der Maur Out Of Our Minds


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Nachdem Beerbungsaufgaben am Bass von Hole und den Smashing Pumpkins Melissa Auf der Maur in Alternative-Rock-Kreisen populär machten, bestach sie 2004 mit einem Solodebüt, dass durch fast ausschließlich virile Gäste – in Form von unter anderem Josh Homme, Chris Goss, Mark Lanegan, James Iha, Brant Bjork, Nick Oliveri und Jeordie White (aka Twiggy Ramirez) – sich durchschlagenden All-Star-Charakter aneignete.

Ihr zweites Soloalbum erweist sich nun als Teil eines konzeptuellen Projekts. „Out Of Our Minds“ besteht neben dem Album aus einem Kurzfilm, einem Comicbuch, dargebotenen Live-Performances, sowie diversen Galleriepräsentationen, die mit Hilfe der Musik zu audiovisuellen happenings mutieren. Das Gesamtpaket ist bisher ausschließlich über ihre website verfügbar. Der lynchesque, halbstündige, mannigfaltig interpretatierbare Kurzfilm wurde gar auf dem Sundance Film Festival, dem amerikanischen Mekka für B- und Alternative-Produktionen im Film, uraufgeführt.

Da die Dinge selten so heiß gegessen, wie sie gekocht wurden, darf dazu ohne Gram festgestellt werden: das ganze künstlerische Tamtam passt nicht wirklich zu Melissa Auf der Maurs solide guten Alternative Rock. Ästhetische Ausdrucksformen einer Björk, einer Newsom, einer Natasha Khan, bewegen sich in gänzlich anderen Sphären. Auf der Maur möchte dem unter tendenzieller, wie eigentlich angenehmer Stupidität leidenden Rock gerne ein bisschen Aufwertung zukommen lassen und ihn in die Wirkungsweise erhabener Kunstprojekte hieven. Das freut mit Sicherheit den Rocker, aber schießt letztlich doch am Ziel vorbei.

Ihr Rock ist solide, ist gut, tendenziell düster, verlangsamt und dunkel, aber gewiss nicht: hohe Kunst. Da kann sie noch so sehr studierte Kunstwissenschaftlerin aus Montreal sein. Alternative Rock kommt aus dem Blues. Der braucht nur drei Akkorde und kein Tamtam. Und diese beherrscht Auf der Maur durchaus auf ihrem Zweitwerk, dass produziert und gemixt wurde von Jordon Zadorozny (Sam Roberts), Chris Goss (QOTSA, UNKLE), Alan Moulder (Depeche Mode, Smashing Pumpkins) und Mike Frazer (Franz Ferdinand, ACDC). Beispielsweise wabert der Einstieg eine schöne emotionale Stufenleiter hinauf, von der man einen erstklassigen Plateaublick auf die kommenden tief gestimmten Bassriffsounds und Auf der Maurs sich darum schlängelnden Gesang bekommt. „Isis Speaks“ und seine pointierten Riffs, „Follow The Map“’s treibende Rockreise, das wirklich gelungene Duett „Father’s Grave“ mit dem einzigen Gast des Albums Glenn Danzig; sowie das messerscharfe, stoner-rockende „The Key“ weisen den Weg: Auf der Maurs Soundspektrum bleibt im schweren, bluesigen Hard-Rock verhaftet, der sonst Männerdomäne ist. Allen leicht unnötigen Kunstinjektionen zum trotz gibt es hier guten alten harten Rock, versetzt mit schöner Weiblichkeit.

Anspieltipps:

  • The Key
  • Isis Speaks
  • Follow The Map
  • Father’s Grave

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