Kissin´ Dynamite - Addicted To Metal - Cover
Große Ansicht

Kissin´ Dynamite Addicted To Metal


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Addicted To Metal“ ist eine Platte geworden, der es gelegentlich am Feinschliff fehlt und die trotz des Alters ihrer Protagonisten für Heavy-Metal- und Hardrock-Fans einiges bereit hält.

In unregelmäßigen Abständen werden Newcomer als das nächste große Was-auch-immer gehandelt und in Zuge dessen die Ablöse langgedienter Bands und Künstler verlangt, denn frisch und unverbraucht ist schließlich tausendmal besser als alt und abgenutzt. Leider vergessen all die Schreihälse, die einen Wechsel an den Genrespitzen fordern, dass die Frischlinge ihren Einfluss auch nicht von ungefähr aus dem Hut gezaubert haben und vielversprechendes Junggemüse schneller uninspiriert und fad schmecken kann als einem lieb ist. Bei den fünf Küken von Kissin´ Dynamite dürfte sich das allerdings noch nicht herumgesprochen haben, denn mit ein paar kleinen Ausnahmen ist „Addicted to metal“, der Nachfolger zum Debüt „Steel of Swabia“ (07/2008), nur eine nette Draufgabe ohne nennenswerte Steigerung.

Schuld daran sind aber keinesfalls die Songs, der technische Aspekt oder die lockere Attitüde von Hannes (Gesang) und Ande Braun (Gitarre), Jim Müller (Gitarre), Steffen Haile (Bass) und Andi Schnitzer (Schlagzeug), sondern die sture Art und Weise wie die fünf Herrschaften, deren Altersdurchschnitt mittlerweile immerhin auf die Volljährigkeit zusteuern dürfte, erneut von einer Metal-Gemeinschaft und ihrer Liebe zum Metal schwatzen (auf dem Vorgänger gab es bereits „My religion“) als hätten wir es 1992 und derartige, vorrangig im Power Metal beheimatete Banalitäten wären noch nicht verstärkt aufgetreten und Hammerfall noch der feuchte Traum von Oscar Dronjak. Die zwei größten Übeltäter finden sich dementsprechend zu Beginn („Addicted to metal“) und am Ende („We want more“, „Metal nation“) der Scheibe und selbst der kurze Gastauftritt von Udo Dirkschneider (Ex-Accept, U.D.O.) im Opener macht diese nervtötenden Ausrutscher nicht besser.

Dabei zeigen Kissin´ Dynamite durchaus, dass sie trotz etlicher anderer Klischeefettnäppchen die Mittel besitzen tolle Songs zu schreiben und nicht auf derartig platte Lyrik zurückgreifen müssen um einen Longplayer auch als solchen zu verkaufen. Paradigmatisch hierfür ist „In the name of the iron fist“, welches mehrere Elemente des Heavy Metal und Hardrock in ein Stück packt und mit gezielten Temposprüngen einen der Höhepunkte von „Addicted to metal“ abliefert. Als Gegenstück zu Bostons „More than a feeling“ legt der Fünfer dem Damn Yankees-Stück „High enough“ dann ein rockigeres Beinkleid an und verleitet sofort zum Mitsingen, was bei den hymnenartigen Songs der Schwaben ohnehin ständig passiert. Die rifflastige Melange aus Mötley Crüe, Iron Maiden, Manowar und Guns´n´Roses geht aber auch in „Love me hate me“, „Hysteria“ oder „Run for your life“ bestens auf und wenn Hannes dem Hörer in der Ballade „Why can´t you hear me“ sein Leid entgegenschmettert, dann fügt sich die Nummer nicht nur als gelungene Abwechslung in das Album ein, sondern auch Herzschmerz darf auf der Checkliste für die Gruppe der unter 16jährigen abgehakt werden.

„Addicted to metal“ ist eine Platte geworden, der es gelegentlich am Feinschliff fehlt und die trotz des Alters ihrer Protagonisten für Heavy-Metal- und Hardrock-Fans einiges bereit hält. Satte Riffs für die Luftgitarre, Refrains zum Mitgrölen und eine unbeschwerte Haltung ihrem eigenen Material gegenüber, lässt Kissin´ Dynamite, wie schon auf mehreren Festivals und Konzerten unter Beweis gestellt, zu einer netten Attraktion werden. Jetzt müssen die Jungs nur aufpassen, dass sie das Bierzelt nicht mit der richtigen Bühne verwechseln und unnötigen Nonsens wie „Metal nation“ oder „We want more“ auf dem nächsten Album außen vor lassen, denn ewig werden sich diese Belanglosigkeiten nicht auf das Alter abwälzen lassen.

Anspieltipps:

  • Hysteria
  • High Enough
  • In The Name Of The Iron Fist

Neue Kritiken im Genre „Hardrock“
6.5/10

Snakes & Ladders
  • 2017    
Diskutiere über „Kissin´ Dynamite“
comments powered by Disqus