Paucker - Miserable Junkie - Cover
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Paucker Miserable Junkie


  • Label: Monohausen Records/Groove Attack
  • Laufzeit: 57 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Paucker. Trotz der Schreibweise denkt man erstmal an Schultage und das große Büffeln vor der nächsten Klausur. Mit diesem Stress hat der Berliner nichts am Hut, sondern ist viel mehr das entspannte Gegenteil zu diesem ganzen Stress. Mit einem Faible für die Klänge der letzten Jahrzehnte macht sich der junge Mann auf, die Republik zu beruhigen und mit seinen sanften Klängen zu verzaubern. Sieht man die wilde Mähne und den apathischen Blick auf dem Albumcover, wird einem zwar erstmal bang, aber Paucker hält seine wilde Rockader zurück, um Indie-Rock der ruhigen und eingängigen Sorte frönen zu können.

Tatsächlich denkt man nach nur wenigen Sekunden, dass es sich hierbei um DAS Album handeln könnte, das Deutschland in besseres Licht rückt. „Sophie“ hat eine verboten schöne Melodie und eine Stimmung, wie man sie sonst von Bands wie den Red Hot Chili Peppers gewohnt ist. Das Problem: Der Track geht insgesamt sechs Minuten lang und geht in keine neuen Richtungen und baut zu wenig neue Details ein, womit die letzten zwei Minuten nicht unbedingt hätten sein müssen. An und für sich ist das nicht allzu schlimm. Der Track zeugt immer noch von gutem Gespür für Melodien, aber leider ist die Strukturschwäche richtungweisend.

Auch im Anschluss zeigen die Tracks allesamt, dass Paucker Melodien findet, die einem bekannt vorkommen und somit schnell ins Ohr gehen. Nur fehlen die Ecken und Kanten, die besonderen Momente. Allein ein „God Has Gone On Holiday“ kann endlich mit einer Soundexplosion überzeugen, die für genug Material sorgt. Die Tracks davor sind einfach zu eingängig. Man möchte beinahe sagen „Dreiakkordmusik“. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass Paucker sich durchgehend schwer tut, seine Lieder zu Ende zu bringen. Dafür, dass seine Musik so unaufgeregt, aber eben doch poppig und nicht auf Emotion aufgebaut ist, erwartet man immer ein knackiges Ende, bekommt dafür immer einen langen Ausklang, der sich verzweifelt festklammert.

Wenn diesem Album etwas fehlt, dann sind es Höhepunkte. Kein Song schafft es, sich als Speespitze aufzudrängen, kein Track will den Hörer mitreißen oder wirklich verzaubern. Ein „Little Princess“ kommt nah heran, wie es schon der Titeltrack tat. Auch das überlange „There She Goes“ kann mit verzerrter Gitarre im Schlussdrittel für Daseinsberechtigung sorgen, die mehr als nur solide ist, aber dagegen stehen die vielen Lieder, denen der letzte Schliff schlichtweg fehlt. Warum nicht zumindest die Balladen alle so gefühlvoll wie der Abschluss „Again“ sein können, liegt entweder am fehlenden Potential oder an der vorschnellen Produktion. Tatsache ist, dass Paucker eine Menge verschenkt und die Tracks nicht auf das Niveau führt, welche sie im ersten Moment versprechen.

Anspieltipps:

  • Again
  • Sophie
  • God Has Gone On Holiday

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