Sambassadeur - European - Cover
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Sambassadeur European


  • Label: Labrador/Broken Silence
  • Laufzeit: 34 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Jeder hat ein anderes Hobby: Schach, Fußball, Fernsehen, Schauspielerei, Shoppen. Irgendwie muss man sich ja auch vom Studentenalltag ablenken. Am schönsten ist es doch aber, wenn eine ganze WG zusammen etwas unternehmen kann. Da bei den oben genannten Beispielen nur die Schauspielerei und der Fernseher bleiben und gerade Letzteres nicht die größte Spannung verspricht im Zeitalter des so genannten Hartz-IV-Fernsehprogramms, bietet es sich an, immer Ausschau nach Alternativen zu halten. Im Falle der Band Sambassadeur war es – na logo! – die Musik. European ist das inzwischen dritte Album der Truppe, die sich durch den Klausurenstress und enge Stundenpläne, sowie die ganz normalen Bedürfnisse eines jungen Menschen nicht auseinander bringen ließen.

Die Leichtigkeit und unkomplizierte Herangehensweise der Schweden spiegelt sich in ihrem Plätscher-Pop wider. Wieder so ein Wort, das nicht gerade schmeichelnd klingt, doch im Falle der Skandinavien-Combo ist das Wort angebracht und keinesfalls negativ angedacht. Die neun Lieder, die eine gute halbe Stunde ausfüllen, sind einfach gehalten, weisen öfters Ähnlichkeiten untereinander auf und sind leichte Kost, seichtes Gewässer. Schon „Stranded“ und „Days“ sind Popnummern, die wie eine sanfte Brise in der Frühlingssonne wirken. Das Gesicht wird angenehm gekühlt, ohne das Wärme verloren geht und dann ist das Gefühl auch schon weg. Sambassadeur schreiben Lieder, die für den Augenblick wirken und nicht noch im Anschluss. Höchstens ein wohliges Gefühl bleibt zurück, aber was will man auch mehr?

Ausnahmestellen findet man auf der kompletten Scheibe nicht. „High And Low“ bietet zwar eine interessante Akustikgitarre, doch so etwas Höhepunkt zu schimpfen, wäre übertrieben. Es handelt sich bei European um ein Gewässer ohne Ebbe und Flut. Kein riesiges Klangmeer, das uns verschlucken will, sondern ein ruhiger See, an welchem die Menschen die ersten Sonnentage verbringen, ohne jedoch das Bedürfnis zu verspüren, in das noch eiskalte Wasser zu springen. Man legt sich einfach auf das aufgewärmte Holz der Stege und nimmt jede Sonnenstunde mit. Dabei sind die sanften Klänge der ehemaligen Studenten-WG äußerst hilfreich, ohne dass sie zu Fahrstuhlmusik verkommen. Besonders das Streichquartett, welches mehr oder weniger durchgehend mitwirkt, sorgt dafür, dass der Musik die richtige Note verliehen wird und das dritte Output der Schweden nicht in der Nichtigkeit der weiten Poplandschaft verschwindet.

Anspieltipps:

  • Stranded
  • Small Parade
  • High And Low

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