Nervous Nellie - Why Dawn Is Called Mourning - Cover
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Nervous Nellie Why Dawn Is Called Mourning


  • Label: Hazelwood/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nervous Nellie wurden 2002 gegründet und veröffentlichten zunächst die EP „The Piece Pipe“, um dann in kleineren und größeren Clubs in Europa aufzutreten; einige Gigs bestritten die Schweden auch in den USA. Ihr Debüt-Album „Don’t Think Feel“ von 2005 wurde angeblich über das Mischpult, welches seinerzeit ABBA beanspruchte, eingespielt. Zudem wurde die Stille des Dinosaur JR Albums „Where You Been“ gesamplet. Wie ernst man solche Anekdoten nehmen darf, sei einmal dahingestellt, clever und witzig sind sie allemal. Das Debüt war noch eine ziemlich laute Indie-Rock-Scheibe, der Nachfolger „Ego & The Id“ baute auf einer Rock’n’Roll Basis ein melodienseliges Indie-Album, das Americana mit Brit-Pop aussöhnte. Es war schlichtweg die Sommer-CD des Jahres 2008, die auch noch heute zu strahlen weiß.

Bei Nervous Nellie handelt es sich um die zwei Brüderpaare Henrik und Magnus Johnson (Gitarre, Gesang, Piano) sowie Andy und Sebastian Johansson (Schlagzeug, Bass), die in einer Art Villa Kunterbunt (siehe das Coverartwork von „Ego & The Id) hausen. Die sommerlich bunte Leichtigkeit leuchtet auch auf ihrem neuen Werk – der Titel „Why Dawn Is Called Mourning“ legt hiervon in herbstlicheren Farben Zeugnis ab. Wieder mal ist es die Melancholie, die aus Musik komponierenden Menschen die entsprechenden Songs herausholt.
Nach dem sie das schwierige zweite Album mit Bravour meisterten, nahmen sie das Karriere wegweisende dritte in Angriff.

Auf „Why Dawn Is Called Mourning“ finden wir Songs wie „Final Day”, “Long As Can Be” oder “Much Too Young” , die nicht beim ersten Mal ins Ohr gehen, dafür ist deren Langzeitwirkung um so nachhaltiger. Die Stimme von Henrik Johnson hat etwas schmerzhaft Schönes, die Leidenschaft vibriert in seinen Stimmbändern. Seltener als auf dem Vorgängeralbum übernimmt Bruder Magnus die Harmoniestimme, sein im Britpop verankertes Pianospiel tritt mehr in den Vordergrund. Das Gitarrenspiel der Beiden wird ökonomisch und sehr feinfühlig eingesetzt. Ganz wunderbar sind der „Road Song“ und „West Is The Best“ gelungen, zwei wehmütige sehnsüchtige Balladen, in denen Henrik Johnsons Stimme die hohen Lagen und die melancholische Atmosphäre bis zum letzten auslotet und auskostet. Nahezu alle Songs laufen im mittleren bis langsamen Tempo, vom Bass- und Schlagzeugspiel gekonnt variiert, als Beispiel sei hier „Meet Me In The Stars“ angeführt.

Mit kontrollierter Offensive und taktisch klug eingestellt, haben die Schweden elf Songs aufgestellt, die keinen Gegner fürchten müssen. Defensiv und zurückgenommen, mit klugem und effizientem Kurzpassspiel, greifen die Kompositionen ineinander und runden es zum großen Ganzen ab. Verschachtelter und vielschichtiger als zuvor, setzen sich die Songs nach und nach fest, leben in der Erinnerung weiter, nehmen beim wiederholten Hören andere Formen und Farben an, um als Kaleidoskop zu rotieren. Ein Indie-Pop-Album, das die Intelligenz und die Simplizität von Brit- und Westcoast-Pop in Einklang bringt, so wie man es lange nicht mehr gehört hat. Also unbedingt die Konzerttermine jetzt im März 2010 wahrnehmen

Anspieltipps:

  • Final Day
  • Long As Can Be
  • Road Song
  • Meet Me In The Stars
  • West Is The Best

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