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RPWL The Gentle Art Of Music


  • Label: Gentle Art Of Music
  • Laufzeit: 132 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Gentle Art Of Music“ ist das Beste aus der letzten Dekade der Progressive-Rockband.

RPWL? Bitte wer? Die Scorpions kennt man, ja, aber wer sind denn bitte RPWL? Ja, es gibt Bands, die bei aller Größe doch ganz klein bleiben. So auch RPWL und so können diese ihren zehnten Geburtstag unspektakulär feiern. Unspektakulär jedoch nur in jenem Sinne, dass nicht gleich die ganze Republik deswegen ausflippt. Musikalisch wird hier seit 1997 eine Sprache gesprochen, die man so in Deutschland gar nicht gewohnt ist. Nicht wörtlich nehmen. Die Männer singen natürlich auf Englisch, doch die Art der Musik sucht deutschlandweit Konkurrenz, die ihr das Wasser reichen kann.

„The Gentle Art Of Music“ ist das Beste aus der letzten Dekade der Progressive-Rockband. Hier geht es zwar nicht ausgeflippt zu wie bei The Mars Volta, doch die großen Arrangements sind vorhanden, woran das Vorbild Pink Floyd (Wer sonst?!) nicht unschuldig ist. Das tolle an der ersten CD des Doppelalbums ist, dass es chronologisch angelegt ist. Somit kann man gespannt die Entwicklung der Band mithören. Da weiß man zwar mit Balladen wie „Crazy Lane“ oder „Sun In The Sky“ wenig anzufangen, da diese ganz gewöhnliche Songs sind, aber so was muss wohl auch sein. Dafür hört man in „Hole In The Sky“ noch klar das Vorbild heraus, während „I Don’t Know“ schon nach altem Radiohead mit indischer Würze klingt. „Home Again“ besinnt sich zurück auf ausgeweitete Gitarrenparts und den Geist der 90er. Das ganze gewinnt nun jedoch an Facetten und Klang.

„The Gentle Art Of Swimming“ ist dann endgültig das, was man progressiv für das frühe neue Jahrtausend nennt. Psychedelische Synthesizer und sphärischer Gesamtklang, der sich Zeit noch und nöcher lässt. Allein „Silenced“ kommt noch mal an diese Stimmung heran. Insgesamt erfährt man den Werdegang einer Gitarrenband der alten Schule, die ihrem Jahrzehnt immer treu geblieben sind und ihr Handwerk wirklich gut verstanden haben. Ins Hier und Jetzt katapultieren sich die Freisinger jedoch erst mit dem „Revisited“-Teil. Diese alten Stücke wurden akustischer und mit Chören, sowie Orchestern aufgenommen. Durch den fehlenden Einsatz von Synthesizern wirkt die Musik organischer, klarer und geht dem modernen Hörer besser ins Ohr, als die unwirklich klingenden Töne aus dem Keyboard und dem Computer. „Sleep“ ist eine dichte Nummer, die mit indischen Elementen und Backgroundvocals überzeugt. Genauso „Trying To Kiss The Sun“, welches mit Chören und kraftvollen Streichern eine geheimnis- und kraftvolle Nummer darstellt. Dann plötzlich noch eine Bossa-Nova-Nummer („Moonflower“), die sich zwischen die geradlinigen Rocknummern („Watching The World“, „Start The Fire“) quetscht und deplatziert wirkt. Da träumt man dann lieber zu den bezaubernden Streichern in „Start The Fire“.

Auch RPWL ist nicht perfekt und so ist ein „Farewell“ zu dick aufgetragen und „Cake“ ist einfach nur poppig, doch dagegen halten Minimal-Stücke wie das schräg niedliche „World Through My Eyes“. Insgesamt ist die zweite CD ein Volltreffer mit ganz wenigen Aussetzern und begeistert mehr als das Best Of der ersten Platte selbst. Zwar haben RPWL sich offiziell nie darum bemüht, mit der Zeit zu gehen, sondern haben an ihrem Stil festgehalten, doch mit der akustischen Platte ist ihnen etwas gelungen, dass größer geworden ist, als sie vorher vielleicht selbst gedacht hätten. Dies verdient Anerkennung und einen herzlichen Glückwunsch zum zehnjährigen Bestehen!

Anspieltipps:

  • Sleep
  • Start The Fire
  • Hole In The Sky

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