Good Weather Girl - Boon - Cover
Große Ansicht

Good Weather Girl Boon


  • Label: Hazelwood/Rough Trade
  • Laufzeit: 34 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer in den unendlichen Weiten und Tiefen des weltumspannenden Netzes fischt, kann sich darin verlieren oder fündig werden. Letzteres geschah dem Label Hazelwood, das immer wieder aufs Neue aufhorchen lässt und im noch relativ jungen Jahr 2010 eine Indie-Perle an die andere reiht (siehe Nervous Nellie, Daniel Johnston und im April The Miserable Rich). Frischfisch vom Feinsten sind Good Weather Girl, ein blutjunges Geschwisterpaar, das als Duo mit ihrem Song „Don’t Worry“ und einigen wenigen anderen plötzlich am Hazelwood Angelhaken hing. Dabei hatten Dion und Shem Lucas den Song als Trauerarbeit für einen verstorbenen Freund verstanden. Der Song wurde ins Netz gestellt, wie das heute nun mal üblich ist, die Absicht einer Musikkarriere hatten die Zwei nicht im Sinn. Nach einigem hin und her konnte das Label das Duo überzeugen weitere Songs zu schreiben, um ein Album aufzunehmen. Dass die Geschwister die Kinder der britischen Punk-Ikone Soo Catwoman (sie taucht in zahlreichen Punkdokumentationen auf) sind, tut eigentlich nichts zur Sache. Die Sängerin Dion Lucas erwähnte dies erst am Ende der Sessions zum Album-Debüt „Boon“.

Falsche Bescheidenheit müssen Dion und Shem Lucas nicht an den Tag legen, denn „Boon“ ist eh eine Platte für die späten oder introvertierten Stunden. Bereits auf dem etwas verrauschten und zittrigen „Don’t Worry (Original Version)“, das im mütterlichen Schlafzimmer über Mikrophon zur gespeicherten mp3 auf der Festplatte wurde, dringt der wunderbare Charme von Dion Lucas Stimme in die manchmal überstrapazierten Gehörgänge des Rezensenten. Naivität paart sich hier mit instinktivem und intuitivem Können, mit dem schon die Stimme Maureen Tuckers überzeugen konnte. Als weiblicher Daniel Johnston geht Dion auch durch, wobei wir im Lo-Fi- und Anti-Folk-Pop angekommen sind. Das Feld, auf dem das Duo aus Camden Town nahe London-Soho zu Hause ist. Manchmal gesellt sich eine dunkle an Nico erinnernde Dramatik hinzu (die Streicher!), die mit dem Geschrammel Shrems akustischer Gitarre und der zart-süßen Stimme Dions ein außergewöhnliches Ergebnis zeitigt. Dennoch: ungewollt und unschuldig klingen diese Songs, der Begriff der Authentizität greift nur bedingt, es geht eine Reinheit von ihnen aus, etwas absolut Pures und Natürliches. Eine frisch sprudelnde Quelle aus der man schöpft, um letztlich im märchenhaften Gold dieser Songs und dieser Stimme zu baden.

Nicht allzu häufig hat man Teil an echten Entdeckungen, Good Weather Girl sind eine solche. Sie sind einzigartig, weil ihre Songs so unvermittelt und ungefiltert sind, entsprechend ist auch ihre Wirkung. Vergleichbar mit Maureen Tucker, Daniel Johnston und den Marine Girls. Kennt die überhaupt noch einer? Bei denen war Tracey Thorn (später Everything But The Girl). Dion Lucas und ihr Bruder müssen zumindest in jenen Indie Karriere Bereichen landen. Leute, es wird Frühling! Zeit für gute Musik. Zeit für Good Weather Girl!

Anspieltipps:

  • Don’t Worry
  • Black Coffee Days
  • Justine
  • I Haven’t Seen Paris
  • Gordon’s Song

Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
5/10

Mints
  • 2017    
Diskutiere über „Good Weather Girl“
comments powered by Disqus