Bunny Lake - The Beautiful Fall - Cover
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Bunny Lake The Beautiful Fall


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Spaß und Freude am Minimalismus inmitten einer düster-verstörenden Alptraumsequenz (dessen Schwärze sich von Otto Premingers Film Noir „Bunny Lake is missing“ von 1965 ableitete) versprach das Debüt „The late night tapes“ (03/2006) und genau das hielt Bunny Lakes Einstand im Electro-Sektor vor vier Jahren auch auf ganzer Linie, denn wer den ganzen auf Hochglanz polierten Datenmüll diverser Musikproduzenten und -künstler satt hatte und eine authentische Platte für den Rausch vor, während und nach einer feuchten Clubnacht suchte, kam an der peitschenden, stroboskopdurchfluteten Darbietung der Österreicher nicht vorbei. Von „Disco demons“, „All that Sex“ und „Ghosts“ war damals die Rede und auch nach der zweiten Scheibe „The church of Bunny Lake“ (09/2007) sind die expliziten Themen im Opus der Alpenländler keineswegs aufmunternder oder gar optimistischer Natur.

Dafür wurden die Regler weg vom dunklen Pfad der elektronischen Seele in Richtung Pop bewegt, was in die durchaus überraschende, wie eingängige Single-Auskoppelung „1994“ gipfelte, die nicht nur im Formatradio auf Dauerrotation läuft, sondern ebenfalls die neue Seite von Bunny Lake bestens widerspiegelt. Die Scheu vor einer dominanten Melodie ist abgelegt, Tanzbarkeit bedeutet nicht ausschließlich dem Hörer Bässe um die Ohren zu schmeißen, der unaffektierte Gesang von Stammsängerin Suzy On The Rocks (Teresa Rotschopf) verleitet zum Kopfnicken und Mitsummen und sind die 4:41 erst einmal verstrichen, will man sich am liebsten gleich noch einmal der neu gefundenen Harmonie und popigen Euphorie des Electro-Pop-Acts hingeben.

Der Wandel von der kompromisslosen Indie-Truppe zur Endorphin versprühenden Konsensscheibe „The beautiful fall“ kommt aber freilich nicht von ungefähr und böse Zungen mögen behaupten, der Umstieg zum Branchenmajor Universal Music liegt einzig und allein an den chartorientierten Vorgaben des neuen Auftraggebers, doch wer genau hinhört wird merken, dass Bunny Lake keine Lust haben sich dem Kommerz anzubiedern und mit dem Cover von Falcos Drogen- und Exzessschilderung im Wiener Nachtleben „Ganz Wien“ haben die Österreicher schon gar nicht den subtilen Weg gewählt. Es ist vielmehr eine knalligere und buntere Verpackung als früher, doch mit dem selben Inhalt. Ob das nun bedeutet zu kratzigen Synthies die Hüften kreisen zu lassen („Swallow the darkness“), einer in Schwermut und Melancholie getauchten Geschichte zu lauschen („The last days of disco“) oder die nihilistischen Tendenzen eines „Hit the ground with me“ durch die Boxen fahren zu lassen, „The beautiful fall“ ist eine starke Electro-Pop-Platte, die beide Komponenten der Stilrichtung miteinander zu verbinden versteht, selbst wenn nicht immer Gleichberechtigung herrscht.

Anspieltipps:

  • 1994
  • Ganz Wien
  • Into The Future
  • The Last Days Of Disco

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