Fitzcarraldo - Lass Sein Was Ist - Cover
Große Ansicht

Fitzcarraldo Lass Sein Was Ist


  • Label: BaxxBeatMusic
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Insgesamt ist das Album ein grundsolides Stück Post-Rock einer Band, die sich hoffentlich erst am Beginn ihrer Entwicklung befindet.

„Ein Puzzle, das ganze Leben ist doch nichts anderes, es geht bloß darum die richtigen Teile zu finden, das ist das ganze Geheimnis“, mit diesen als Sprachsample eingebetteten Worten beginnen Fitzcarraldo ihr nunmehr zweites Werk nach dem 2007 in Eigenregie veröffentlichtem Album „Herbst“. Die Band hat jedoch inzwischen ein Label für ihre unkonventionelle Musik gefunden, sodass der in der Tonmeisterei Oldenburg aufgenommene Langspieler „Lass Sein Was Ist“ bei Baxxbeatmusic erscheint. Sehe man die deutsche Musiklandschaft ebenfalls als ein riesiges, sich stets vergrößerndes Puzzle, dem ständig neue Teile hinzugefügt werden, würden die Aschaffenburger den freien Platz neben Bands wie Long Distance Calling in dem eher kleinen Feld des Post-Rock einnehmen.

Mit dieser groben Einordnung des Outputs der Band assoziiert der geneigte Hörer natürlich wie gewohnt die mit diesem Genre verbundenen Worte „verträumt“, „melancholisch“, „sphärisch“ oder „vertrackt“. Und tatsächliche passt dieser Gedankengang auch gut zu Fitzcarraldo: „Das Ziel unserer Musik ist es, dem Zuhörer gewisse Bilder vor das geistige Auge zu holen. Wir wollen das Publikum fordern und auf eine Traumreise mitnehmen, in einen Zustand, den es bisher gar nicht so bewusst wahrgenommen hat. Wenn wir selbst auf der Bühne stehen und in den Songs versinken, sehen wir auch gewisse Abschnitte und Bilder vor unserem geistigen Auge“, kommentiert Gitarrist Jan Maier insbesondere die Live-Intentionen der Band.

Der melancholische Grundton wird laut Pressetext vom „charakteristische Einsatz von Sprach-Samples, Störgeräuschen, minutenlangem Feedbackgewitter, Dampfwalzenriffs, cleanem Gitarrengezupfe, laut/leise Wechsel“ und fast vollständigem Verzicht auf Vocals ausgefüllt, Genregrenzen wie Posthardcore, Shoegaze, und Progressive-Rock werden angerissen und zu einer 40-minütigen Traumsequenz auf CD gebannt. Dabei nehmen sich Jan Maier (Gitarre, Samples, Vocals), Ulrich Kaindl (Gitarre), Heiko Hümpfner (Schlagzeug) und Daniel Stenger (Bass, Laptop, Tasten) auch gerne mal zehn Minuten Zeit, wie bei ihrem durchweg gelungenem Opener „Treibjagd“, welcher mit Bläsern beginnt, die aber leider auf dem gesamten Album nicht nochmal zu hören sind, sich zum lauten Noise-Donnern aufschwingt und schließlich bei Drumcomputer-Sounds landet.

Leider können die kürzeren Stücke wie „Q“ oder „Feuwerk“, denkt man sie sich isoliert vom Rest des Album, keine großen Momente heraufbeschwören, wie das genannte Eröffnungsstück und die Epen „Dämonen in Uns“ und der Abschluss „Du Bist Die Hoffnung, Ich Bin Der Abgrund”. So entsteht zwischen diesen Stücken leider zu viel Leerlauf, wodurch die wirklich großen Momente rar gesät sind. Als Live-Band mögen Fitzcarraldo warscheinlich wunderbar funktionieren, wenn sich ihre Emotionalität vollständig entfalten kann. Wie zum Beispiel beim letzten Stück, als sich ganz am Ende Jan Maier zur einzigen wirklichen Gesangseinlage die Kehle aus dem Leib brüllt. Solche Momente hätte es auf „Lass Sein Was Ist“ gerne häufiger geben dürfen. Insgesamt ist das Album ein grundsolides Stück Post-Rock einer Band, die sich hoffentlich erst am Beginn ihrer Entwicklung befindet und von der man, bei der richtigen Feinjustierung, noch einiges erwarten kann.

Anspieltipps:

  • Treibjagd
  • Prima 5 S
  • Momentaufnahme

Neue Kritiken im Genre „Post-Rock“
Diskutiere über „Fitzcarraldo“
comments powered by Disqus