Maximilian Hecker - I Am Nothing But Emotion... - Cover
Große Ansicht

Maximilian Hecker I Am Nothing But Emotion...


  • Label: Blue Soldier Records
  • Laufzeit: 49 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Maximilian Hecker, der reisende Melancholiker mit dem Gespür für süßlich schmerzenden Indie-Pop mit Singer/Songwriting-Prägung, kam nach sieben Jahren, in denen Musik sein Beruf war, an den Punkt des großen Zweifels und der großen Unsicherheit. Obwohl quasi kurz vorher im Jahr 2008 sein voriges Album „One Day“ veröffentlicht wurde, ist der Entstehungsprozess mehr als schwierig gewesen. Perfektionszwang und der Druck von innen sowie von außen auf den auch in Asien erfolgreichen, deutschen Songwriter engen ihn dermaßen ein, dass die Stimme versagt und die Aufnahmen für mehrere Wochen unterbrochen werden müssen. Schließlich besiegelt jedoch die ausverkaufte Asien-Tour eine Kehrtwende, die Maximilian Hecker wieder zu einem Straßenmusiker macht. Der Umstand, dass es dabei nur selten direkte Zuhörer gibt, sondern eher Vorbeieilende, beflügelt ihn und lockert gleichzeitig sein angespanntes Verhältnis zur Aufnahme- und Darstellungssituation.

So sind auch die Songs auf „I Am Nothing But Emotion, No Human Being, No Son, Never Again Son“ kurz nach der Idee direkt mit wenig aufwendigen Mitteln in Heckers eigener Wohnung aufgenommen worden und vermitteln so enorm viel Seele und den besonderen Moment, den man ansonsten nur selten im Studio einfangen kann. Mit dem Reiz einer leicht verrauschten Homerecording-Session ausgestattet, ist der Sound ebenso reizvoll wie die bewegenden Songwriting-Künste, welche besonders in der erste Hälfte des Longplayers außerordentliche Formen annehmen.

Klagend, aber so unvergleichlich erhebend erklingt das Piano in „Holy Dungeon“, setzen unterschwellig Streicher zum Höhenflug an, während die Vocals wie durch einen Schleier verhüllt zur bitteren, textlichen Wahrheit ansetzen. Mag es noch so pathetisch klingen, wie Maximilian Hecker seine verlorene Liebe besingt und auch die Instrumentierung so typisch sein: Die tief melancholische, authentische Zartheit im angenehm verhuschten Sound ist die Magie, die er vermutlich verloren glaubte und nun so sehr den Hörer erreicht. Neben des Pianos bestechen auf „I Am Nothing But Emotion...“ ganz weit oben auf der eh schon ausschlagenden Melancholie-Skala mit Suchtfaktor die Töne aus dem Mund von Herrn Hecker. In der nüchternen Vergangenheitsbewältigung steckt gesangstechnisch immer ein großes Stück Überwältigung. Scheinbar beiläufig singt sich der Songwriter auf eine Stufe mit den ganz großen des Genres, ohne den spontanen Eindruck zu verlieren. Auch wenn den Songs zur zweiten Hälfte gelegentlich die Magie abhanden kommt, ist Maximilian Hecker wieder auf vereinnahmendem Kurs.

Anspieltipps:

  • Holy Dungeon
  • The Greatest Love Of All
  • Open Arms Of Gold
  • No One´s Child

Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
5/10

Mints
  • 2017    
Diskutiere über „Maximilian Hecker“
comments powered by Disqus