Audio Bullys - Higher Than The Eiffel - Cover
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Audio Bullys Higher Than The Eiffel


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Dass Electroclash auch anders kann als es derzeit beispielsweise die Crookers durchdeklinieren und zu mehr taugt als zur Untermalung eines harten Pornoficks in dem es beständig bums, bums macht, zeigen die in Großbritannien recht bekannten Audio Bullys. HipHop und Elektro, um nicht zu sagen: fette Technobeats, sind auch hier die beiden potentaten Bestandteile, nur haben die Audio Bullys nicht den musikalischen Dauerständer. Echte Melodien und immer mal wieder Gesangsparts in den Refrains lockern die Clubsound-Rundschau mit ihren House-, Break- und 2 Step-Beats auf und führen sie zart heran an den großen Disko-Saal Pop.

Insgesamt also weniger aggressiv als sich das Genre derzeit gebiert, und dennoch höchst tanzbar und beatlastig, lädt das Londoner-Duo zum dritten Mal zur Hormonausschüttung ein. Fünf Jahre ist ihr UK-Nr.-3-Hit „Shot You Down“, die gelungene Disko-Mutation von Nancy Sinatras Heuler „Bang, Bang (My Baby Shot Me Down)“, und ihr damit verbundenes Erfolgsalbum „Generation“ her. Und wie die Promo zu verraten weiß, lag es auch ein wenig an diesem Erfolg, der die beiden Working-Class-Londoner Simon Franks und Tom Dinsdale lange zögern ließ nahtlos fortzufahren.

Nicht nur ihr britischer Working-Class-Charme scheint konstant zu sein: die Audio Bullys haben etwas genuin Eigenes, ihr Wiedererkennungswert ist derart hoch, dass gleichbleibende Stagnation mit zunehmender Bandlebensdauer häufiger ein Vorwurf lauten dürfte. Dabei ist „Higher Than The Eiffel“ ihr bisher bestes und ausgefeiltestes Album. Kennt wohltemperierte Phasen zwischen Krachern und Croonern und die bislang deutlichst ausgestreckte Hand und Tanzaufforderung an die Diva Pop. Leider bleiben die ruhigeren Verschnauffer die schwächsten Beatbearbeitungen, was ihr Gespür für modernes Tanzliedgut aber vollends ausgleicht. Mit den Startern „Drums (On With The Story)” und der Single „Only Man“ schießt „Higher Than The Eiffel“ aus vollen Sympathie-Rohren. Auf „Twist Me Up“ wird es sogar semi-rockig, Streicher verkitschen die Liebesbeweise auf „Dynamite“ und „London Dreamer“ hat feine Raps und kreative Samples. „Shotgun“ pumpt sich nach „Only Man“ zum zweiten Höhepunkt auf, mit seiner zunächst irritierenden Mischung aus harmlosen Klaviergeklimper und plötzlich einsetzenden Wummer-Techno, ganz wie in ihrer Nancy Sinatra-Ausschmückung von vor fünf Jahren, bevor „Kiss The Sky“ mächtig davon-raved und „Goodbye“’s Ska-Schnipsel das Involvieren zweier Madness-Mitglieder erkennen lässt.

„Higher Than The Eiffel“ ist eine richtig gute HipHop-Elektro-Mische in der pfandlosen Plastikflasche. Franks und Dinsdale lassen Krachen ohne eine Spur der Verwüstung zu hinterlassen. Eben working class. Die Fabrik in der gefeiert wird darf stehen bleiben.

Anspieltipps:

  • Drums (On With The Story)
  • Shotgun
  • Only Man
  • London Dreamer
  • Kiss The Sky

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