Civil Twilight - Civil Twilight - Cover
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Civil Twilight Civil Twilight


  • Label: Wind-Up/EMI
  • Laufzeit: 55 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer als Teenager hauptsächlich Songs von „Oasis, U2 und Nirvana bis hin zu The Verve, The Police, Muse und Radiohead“ nachspielt und dann ohne Scheu behauptet die eigenen Kompositionen wären „immer stark von britischen und amerikanischen Künstlern beeinflusst gewesen“, der wandelt auf verdammt dünnem Eis. Gut, würden die Songs des Debüts von Civil Twilight aus Südafrika (dahinter steckt das Brüderpaar Steven (Gesang, Bass, Piano, Keyboard) und Andrew McKellar (Gitarre), sowie Richard Wouters am Schlagzeug) eine eigene Duftmarke setzen und nur entfernt an die oben genannten Gruppen erinnern, könnte das vollmundige Statement über die Idole des Trios als gewagter Fingerzeig gedeutet werden, doch der selbstbetitelte Erstling begnügt sich leider nicht damit eine Kopie zu sein, sondern geht noch darüber hinaus.

Schon das sechs Minuten lange Schwergewicht „Anybody out there“ führt in die unselbstständige Welt der Südafrikaner ein und verkommt mit zunehmender Laufzeit zu einem pathosgetränkten Potpourri aus U2, Starsailor und Muse. Dieser Zustand ändert sich auch nicht im weiteren Verlauf der Platte und Civil Twilight dürften es vor allem auf die großen Gesten eines James Walsh (Starsailor) abgesehen haben, die mit Pianomelodie und ständig aufgeladener Wehmut in der Stimme von Sänger Steven unmissverständlich in den Vordergrund treten, was nicht selten dazu führt, dass nachgeprüft werden muss, ob nicht „Love is here“ (10/2001) oder „Silence is easy“ (09/2003) im CD-Player seine Runden dreht. Das ist durchaus schade, denn eigentlich reihen die Drei einen atmosphärischen Rocksong an den nächsten, strapazieren gekonnt das Schema der Laut-Leise-Dynamik und rennen hin und wieder einem ekstatischen Finale entgegen, was sie wie geschaffen für die großen Bühnen dieser Welt macht.

„Ich versuche, unser Publikum dazu zu bringen, sich unserer Musik hinzugeben, um in ihm ein Gefühl der Hoffnung und Akzeptanz zu wecken“ erklärt Steven, der maßgeblich am Songwriting-Prozess beteiligt war. Die Sache mit der Akzeptanz dürfte beim vorliegenden Material zwar durchaus schwer werden, aber zum Glück ist bei den Südafrikanern noch genug Hoffnungsschimmer in Form von gefestigten technischen Fertigkeiten vorhanden, der sich vielleicht nach und nach doch bezahlt machen könnte. Um weiteren Verlockungen zu widerstehen, sollten die Drei aber vielleicht trotzdem ihre Plattensammlung einstampfen.

Anspieltipps:

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