Turbostaat - Das Island Manöver - Cover
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Turbostaat Das Island Manöver


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Turbostaat lassen sich nicht verbiegen. Daran änderte auch der Majordeal mit dem Label Warner, auf dem zuletzt der Vorgänger „Vormann Leiss“ (2007) erschien, nicht viel. Die sympathischen Flensburger ziehen einfach ihr Ding durch und werden eigentlich immer nur besser und besser. Klar, prinzipiell wurden seit dem Debüt „Flamingo“ (2001) keine musikalischen Quantensprünge gemacht. Jan Windmeier (Gesang), Rotze Santos, Marten Ebsen (beide Gitarre), Tobert Knopp (Bass) und Peter Carstens (Schlagzeuig) haben nur alle Kanäle gesäubert, seitdem fließt der Musikstrom bei ihnen eben nicht mehr ganz so ungestüm und dreckig. Und auch für ihr neues Album haben Turbostaat nur wenig an den Reglern gedreht, klingen fast genauso wie auf dem Vorgänger und bieten dennoch immer wieder Songs, die man so noch nicht von ihnen gehört hat. So kann man auch die Lieder von „Das Island Manöver“ wieder wunderbar mitgrölen und doch bringen Windmeiers Texte immer wieder den Stein ins Rollen und regen zum Nachdenken an.

Das ist sowieso der Wiedererkennungswert dieser Band: Jan Windmeiers raue Rüpelstimme, welche die Texte nur so dahinrotzt, häufig in Sprechgesang verfällt und irgendwie doch tolle Melodien entwickelt - in Verbindung mit umgangsprachlich angehauchten, häufig rätselhaften Texten. Auch auf „Das Island Manöver“ beschäftigt er sich mit Einzelschicksalen und den meist traurigen Geschichten dieser Welt. In „Pennen Bei Glufke“ zum Beispiel erzählt er von einer gescheiterten Familie, in der die Kommunikation still steht und jeder schon lange aufgegeben hat. „Wie soll denn sowas gehen?“ fragt er auch auf diesem Album. Oder „Urlaub Auf Fuhferden“, welches wie auch früher „Harm Rochel“ vom Todeswunsch eines alten Menschen handelt und mit den großartigsten Zeilen des Albums endet: „Den Drink mit Gift vertattert / Den Strick verkehrt geknüpft / Das Gift verkehrt vertattert / Den Strick mit Drink verknüpft“.

Musikalisch rappelt es auf dem Album auch wieder mächtig im Karton: Die Eröffnung „Kussmaul“ prescht hastig nach vorn, die Gitarren klingen wieder schön ungeschliffen und roh, wie das im Punkrock eben sein muss. Genauso Schlagzeug und Bass, die sich insbesondere bei dem in den Strophen reduziert instrumentierten „Pennen Bei Glufke“ behaupten, auch wenn sie sich durchgängig spartanisch durch die drei Minuten kloppen. Das ist alles nach wie vor nicht sonderlich kompliziert, aber es bleibt im Kopf hängen. Turbostaat rocken sich durch ihre zwölf Songs und bleiben immer bodenständig auf das Nötigste konzentriert: Mal geht es mit Vollkaracho durch die Wand („Ufos Im Moor“), am besten sind sie jedoch wenn es im mittleren Tempo schwermütig unter die Haut geht („Fraukes Ende“, „Oz Antep“). Beim Song „Das Island Manöver“ lassen sie sich auch schon mal zwei Minuten Zeit, bevor es richtig losgeht und Windmeier mit Gesang einsetzt. So besitzt jedes Lied seinen ganz eigenen Charakter, als einzige wirkliche Schwäche ist das etwas zu stumpfe „Fünfwürstchengriff“ auszumachen.

Die fünf Flensburger bleiben auch mit „Das Island Manöver“ eine sichere Konstante im deutschen Punkrock. Da ist es auch egal, wenn sie wahrscheinlich nie als Innovateure durchgehen werden und sich nur schleichend weiterentwickeln. Solang sie auch weiterhin so natürlich bleiben und und dabei großartige Songs schreiben wie „Urlaub Auf Fuhferden“ oder „Oz Antep“, dürfen Turbostaat gerne so weitermachen.

Anspieltipps:

  • Surt Und Tyrann
  • Pennen Bei Glufke
  • Urlaub Auf Fuhferden
  • Oz Antep

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