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Slash Slash


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Überraschungen sind rar gesät und zollen vielleicht auch etwas von mangelndem Mut des Zylinderträgers.

Nach der in den Augen und Ohren Vieler schwer missglückten Widerbelebung von Guns ‘N Roses mit Axl Rose als einzigem Originalmitglied, muss nun Ex-Gitarrist Slash die Ehre der Hardrocker retten. Und zwar ohne Firlefanz und doppelten Boden. Da der 44jährige Gitarrenmeister aber nicht wirklich gut singen kann, verfolgte er für sein ersten Soloalbum nach den Projekten Slash’s Snakepit (1995-2000) und Velvet Revolver (2004-2007) eine ähnliche Strategie wie vor ihm schon Gitarrenhexerkollege Santana, der für sein 1999er Album „Supernatural“ eine Heerschar an Gastsängern und Musikern verpflichtete.

Auf „Slash“ geben sich nach knapp einjähriger Aufnahmezeit mindestens ebenso viele Stars und Sternchen wie auf „Supernatural“ die Klinke in die Hand. Und weil es sich damit so schön prahlen lässt, gibt es hier die vollständige Liste namhafter Musiker auf „Slash“: Dave Grohl und Taylor Hawkins (Foo Fighters), Ozzy Osbourne, Chris Cornell (Soundgarden), Andrew Stockdale (Wolfmother), Adam Levine (Maroon 5), Fergie (The Black Eyed Peas), Kid Rock, Myles Kennedy (Alter Bridge), Ian Astbury (The Cult), Iggy Pop, Lemmy Kilmister (Motörhead), M. Shadows (Avenged Sevenfold), Rocco De Luca, Josh Freese (A Perfect Circle), Duff McKagan (Velvet Revolver), Chris Chaney (Jane‘s Addiction), Izzy Stradlin sowie der Japaner Takashi Inaba, Alice Cooper und Nicole Scherzinger (Pussycat Dolls), die mit den Songs „Sahara“ bzw. „Baby can‘t drive“ nur auf speziellen Sammlerauflagen vertreten sind.

Produzent des Albums ist Eric Valentine (Queens Of The Stone Age, The All-American Rejects, Maroon 5, Good Charlotte), der Saul Hudson alias Slash durch eine stilistische Achterbahnfahrt aus Hardrock, Heavy Metal, Classic Rock, Pop und Punkrock half, womit sich bereits im Vorfeld erahnen lässt, dass Slash seinen „Duettpartnern“ nicht einfach irgendwelche Songs vorsetzten wollte, sondern ihnen gezielt Stücke auf den Leib schrieb, zu denen die Damen (Fergie und Nicole Scherzinger) und Herren ihre Texte ablieferten. So ist es nicht verwunderlich, dass ein Song mit Ozzy Osbourne nun mal wie eine herkömmliche Ozzy-Nummer klingt oder ein Gastspiel von Iggy Pop als räudiger Garagen-Punkrock aus den Boxen bollert. Jeder Gast bekommt im Prinzip das, was er als sein musikalisches Zu Hause bezeichnet, was der Spannung – ehrlich gesagt – nicht gerade dienlich ist.

Überraschungen sind dementsprechend rar gesät und zollen vielleicht auch etwas von mangelndem Mut des Zylinderträgers. Denn wer hätte gedacht, dass sich ausgerecht Fergie von den Black Eyed Peas als waschechte Rockröhre im Stile eines Steven Tyler (Aerosmith) erweisen würde? Wohl keiner! Dadurch bleiben unterm Strich nur die gewohnt starke Gitarrenarbeit von Slash und eine pralle Hand voll mit teils sehr guten, aber nicht überragenden Songs. Beispiele gefällig? Die Ballade „Gotten“ mit Samtstimmchen Adam Levine ist eine kalkulierte Nummer für das US-Mainstream-Radio, während „Doctor Alibi“ mehr von Lemmy Kilmisters coolem Text und seiner Schnodderschnauze als der Musik lebt. Dass Dave Grohl lediglich in dem einzigen Instrumentalstück des Albums („Watch this Dave“) mitwirkt, hat vermutlich rechtliche Gründe und der Südstaaten-Rock von Kid Rock hat auch schon bessere Tage erlebt.

Bleibt unterm Strich ein ganz nettes Rockalbum, das von den großen Namen der beteiligten Musiker und der hervorragenden Gitarrenarbeit Slashs lebt. Dieser entlockt sich in ausnahmslos jedem Song ein paar coole Riffs und Soli und rettet damit das etwas hausbacken wirkende Songwriting vor der ganz großen Enttäuschung. Als eindeutiger Gewinner am Mikrophon steigt im Übrigen Alter-Bridge-Frontmann Myles Kennedy aus dem Ring, der den authentischsten Eindruck im Umgang mit den Slash-Songs hinterlässt. Haben wir hier vielleicht den neuen Velvet-Revolver-Sänger gehört?

Anspieltipps:

  • Starlight
  • By the sword
  • Back from call
  • Beautiful dangerous

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