Hiromi - Place To Be - Cover
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Hiromi Place To Be


  • Label: Telarc/In-Akustik
  • Laufzeit: 69 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieses Album sollte mit einem Aufkleber versehen werden, so einem runden knallroten Ding wie von nice price, nur mit der Aufschrift: „Achtung, Virtuosin!“. Einfach als Hinweis für jeden, der unbedacht dieses Werk in die Hand nimmt, in der Erwartung eines völlig gemütlichen und ruhigen Solo-Piano Musikstücks. Natürlich ist der rasante Fusion-Stil ihrer Hauptband Hiromi's Sonicbloom im Kopf verankert und genau dieser ist im eröffnenden „BQE“ zu hören. Hiromis flinke Finger huschen über die Tastatur wie eine Ameisenkolonie im Zeitraffer. Kein Wunder, handelt es sich hierbei um die Brooklyn-Queens-Expressway, also das geschäftige Hin und Her pendeln von Menschen. Das ist nur der Anfang, denn auf dem Album geht es auch gelassen, melodisch, improvisiert und kontrastreich zu.

Hiromi Uehara hat mit „Place To Be“ kurz vor ihrem 30sten Geburtstag ihre erste Soloplatte aufgenommen. Der Zeitpunkt war wichtig, denn die Japanerin möchte in jedem Jahrzehnt ihres Lebens ein solch reines Pianoalbum aufnehmen, um später die Entwicklung ihres Stils, ihrer Handführung, der Begleitung und Melodieverläufe nachvollziehen zu können. „Place To Be“ ist das erste Werk, das für ihre 20er Jahre steht. Nach dem Vorstoß in die akustische Ebene mit Stanley Clarke und Lenny White auf „Jazz In The Garden“ erscheint dieses Vorhaben, dass sich nun die kleine Japanerin alleine ans Klavier setzt, wie ein natürlicher Prozess. Nicht zu vergessen, dass sie mit dem Meister Chick Corea bereits ein Duett gespielt hat.

Jedes Stück auf „Place To Be“ gibt die Emotionen wieder, die Hiromi an einem bestimmten Konzertort erfahren hat oder während einer bestimmten Lebensphase durchlebt hat. Hinter jedem Titel verbirgt sich eine Geschichte, die mit einem Ort verknüpft ist, ob Schulzeit in Boston, die Schönheit von Sizilien und den Azoren oder ein Club in Bern. Deutschland wird der Kanon von Johann Pachelbel gewidmet (mit einem metallischen Dämpfer auf den Saiten) und Las Vegas bekommt sogar einen ganzen Songzyklus. Letztendlich führt sie die Reise zu der Erkenntnis, dass die Bühnen ihr Platz auf der Welt sind, an dem sie glücklich und erfüllt ist. In „Place To Be“ verdeutlicht sie dies, indem sie auf der Suche nach einer Melodie ist, die sich zum Ende des Liedes auch entfaltet. Die einzige Komposition ohne eine präzise Ortsangabe, ist das ruhige, geradezu traurige „Somewhere“, das auf den Himmel und die darin aufgenommenen Seelen der Verstorbenen verweist.

Hiromi zeigt einen Querschnitt von ihrem Können, indem sie viele Jazzstile streift, dabei sehr vielseitig und dynamisch agiert. Faszinierend ist ihre eigene Begleitung, der Einsatz der zweiten Hand so geschickt, dass es oft den Anschein hat zwei Klaviere zu hören, als ob sie einen Dialog mit sich selbst führt. In „Choux A La Creme“, der Lieblingssüßigkeit der Pianistin, ist das sehr kontrastreich dargestellt. Übrigens findet der bereits von „Jazz In The Garden“ bekannte Titel „Sicilian Blue“ hier ebenfalls seinen Platz, diesmal aber in einer neuen und längeren Version mit vielen improvisierten Passagen. Nach genaueren Untersuchungen muss die Anfangsthese also modifiziert werden: „Achtung, vielseitige Virtuosin am Werk!“.

Anspieltipps:

  • Place To Be
  • Viva! Vegas
  • Choux A La Creme

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