Callejon - Videodrom  - Cover
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Callejon Videodrom


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Videodrom“ ist ein echtes Monstrum geworden.

Metalcore, gerne auch Screamo, ist zwar die offizielle Bezeichnung für die Musik von Callejon („callejón“ = spanisch für „(Sack)gasse“), doch hat sich die fünfköpfige Combo aus Deutschland schon mit ihrem Debüt „Willkommen im Beerdigungscafé” (2006) mit Leichtigkeit von den Genre-Grenzen befreit. Seit jeher produzieren die Jungs ein schwer definierbares Gewitter aus harmonischen Gitarren, erbarmungsloser Härte und klugen deutschen Texten, das man in dieser Form vorher noch nicht gehört hat. (Diesmal wirklich!) Dabei ist mit jedem Album eine klare Weiterentwicklung zu verzeichnen, ohne dass der eigene Stil verloren ging. Auf die 2007er EP „Fauler Zauber Dunkelherz“ folge „Zombieactionhauptquartier“ sowie eine ausgiebige Tour, auf der Callejon bei den wichtigsten Metalfestivals Deutschlands ihr Publikum von ihren beachtlichen Livequalitäten überzeugten. Ende 2009 ging es dann wieder ins Studio, um den dritten Langspieler zu schmieden.

„Videodrom“ ist ein echtes Monstrum geworden. Die Songs sind nämlich rundum verwöhnt von einer ausgefeilten, verspielten Produktion, wie sie eine Callejon-Scheibe bislang nie genoss. Da legen sich unzählige Gesangsspuren bis zur Gänsehaut übereinander, alles klingt noch knackiger und ist gewürzt mit elektronischen Intermezzi, das Ganze wie immer abgerundet durch ein genial-verrücktes Artwork von Sänger Basti. Letzterer festigt vor allem auf „Videodrom“ seinen Status als einer der besten Mikrofonquäler der Szene. Spielerisch pumpt er einem die Ohren mit hohem und tiefem Gebrüll sowie gefühlvollen Gesangslinien voll. Bei all der Aggression bleiben die (deutschen!) Texte akustisch verständlich – eine Glanzleistung. Auch was den Inhalt betrifft, können sich viele Sänger von diesem jungen Mann noch eine Scheibe abschneiden.

Härter, weniger balladesk, jedoch noch melodiöser als der Vorgänger „Zombieactionhauptquartier“, ernsthaft und doch ungemein partytauglich kommt „Videodrom“ daher und schafft mit Refrains wie dem von Titeltrack „Videodrom“, „Kinder der Nacht“ oder „Dein Leben schläft“ so einige Ohrwürmer. Die leicht verstärkten Heavy Metal Einflüsse tun dabei auch ganz gut. Es geht wieder mächtig ab, diesmal in Hochglanz. Die nächste Hürde ist jetzt, die voll beladenen Stücke auch live überzeugend umsetzen zu können. Doch bei dem Talent der Jungs muss man sich da wohl keine großen Sorgen machen. Manche enttäuschte Fans der ersten Stunde werden das Album überproduzierte Kommerzkacke schimpfen, doch beweisen Callejon mit „Videodrom“ nur Reife und Entwicklungsfreude bei anhaltender Originalität, welche der Band ihren hohen Stellenwert in der deutschsprachigen Metallandschaft erhält.

Anspieltipps:

  • Videodrom
  • Immergrün
  • Mondfinsternis
  • Sommer, Liebe, Kokain

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