Nice Nice - Extra Wow - Cover
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Nice Nice Extra Wow


  • Label: WARP/Rough Trade
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Nice Nice sind Jason Buehler und Mark Shirazi aus dem amerikanischen Portland, welches ihnen laut eigener Aussage musikalisch sehr ans Herz gewachsen ist. So schwärmen sie von einer sich stetig entwickelnden Musikszene, die vor Jahren noch sehr durch experimentell Psychedelisches und Noise beherrscht wurde. Dass Nice Nice auf ihrem Album „Extra Wow“ dann auch gerade bei dieser schwer einzuordnenden Musik landen, dürfte nicht verwundern. Seit nahezu 10 Jahren formen sie dank übereinander geschichteter Gitarren, Drums, Stimmen und Electronica einen Sound, der Nice Nice besonders live zu einem beachtlichen Ruf in den Vereinigten Staaten verholfen hat. Warp Records nahm diese Steilvorlage gern an, nachdem das Duo ab 2007 akribisch ihren infernalischen Höllenritt ausformulierte, um die jahrelange Live-Erfahrung und das blinde Verstehen in Bezug auf lärmende Loops voller Dynamik in ein Album-Format zu meißeln.

Einer der markantesten Songs, nämlich „One Hit“, packt mit gradlinigem Zeitlupen-Schlagzeug und schier wahnsinnigen Stör-Geräuschen zu, deren Herkunft kaum auszumachen ist. Diese Noise-Attacken aus allerlei Verzerrung trüben jedoch nicht den unwiderstehlichen Faktor und wirken im Laufe des Tracks bindend wie die dringlichen, mit Hall geschmückten Vocals. Überhaupt sind es Hall und Distortion-Pedal, die auf „Extra Wow“ die Herrschaft an sich reißen, die sicherlich einst klaren Elemente aus Percussions, vertracktem Schlagzeug und tribal-artigen Electro-Sounds aufsaugen und dabei mehr Improvisation als Song bieten. Vor allen Dingen auf Rhythmus setzend und nur wenige einprägende Arrangements liefernd, ist es eine schwierige Angelegenheit Zugang zu Nice Nice zu finden.

Dennoch blitzen hin und wieder faszinierende, psychedelische Errungenschaften aus, welche allerdings nicht durch bestimmte Instrumente oder eben Melodien dingfest zu machen sind, sondern viel mehr durch die Gesamt-Stimmung packen. Diese hat eine bemerkenswerte Sogwirkung, bohrt sich in die Nervenstränge und sollte wohl nur in Gänze konsumiert werden. Wobei bis zum Ende nicht klar ist, ob der Hörer trotz anfänglicher Hingabe nicht doch irgendwann an der wahrlich teuflisch-kaputten Noise-Wucht gepaart mit Samba-Beats, Dudelsack-Versatzstücken und schleppend-wuchtiger Electronica zu Grunde geht. Trotz oder gerade wegen der Zweifel kommen Tracks wie „A Vibration“ gerade recht, denn so verträumt und verhältnismäßig harmonisch pulsierend hat es wie „A Little Love” balsamierende Wirkung, ohne die das durchgetretene Effekt-Pedal auf “Extra Wow” einzig nur verstören würde.

Anspieltipps:

  • One Hit
  • Everything Falling Apart
  • Big Bounce
  • A Vibration

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