Coheed And Cambria - Year Of The Black Rainbow - Cover
Große Ansicht

Coheed And Cambria Year Of The Black Rainbow


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 54 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Sie sind wieder im Spiel. Nach dem äußerst enttäuschenden Abschluss ihrer epischen Science Fiction-Geschichte um das Ehepaar Coheed und Cambria Killgannon mit „Good Apollo, I´m burning star IV, Volume Two: No world for tomorrow” (10/2007) haben die New Yorker Claudio Sanchez (Gesang, Gitarre), Travis Stever (Gitarre), Michael Todd (Bass) und Chris Pennie (Schlagzeug) das Prequel zu der „Armory wars”-Saga endlich fertig. Glücklicherweise ist der (rein auf die Veröffentlichung bezogene) letzte Teil um einiges besser als das eigentliche chronologische Ende im Killgannon-Universum, was die vor 2 ½ Jahren vor den Kopf gestoßenen Fans und Kritiker einigermaßen versöhnlich stimmen dürfte.

Der biedere Rockzipfel wurde abgestreift und Coheed And Cambria schöpfen endlich wieder aus dem Vollen, was nicht nur die vollgepackte Deluxe-Edition von „Year of the black rainbow“ betrifft, wo neben zwei zusätzlichen Demo-Tracks („Chamberlain“, „The lost shepherd“) und einer umfassenden Backstage-DVD mit Interviews und Studioberichten noch ein 352 Seiten starkes Buch (!!!) beiliegt, dass die (Vor-)Geschichte der Geschehnisse des kriegsgebeutelten Ehepaars erzählt. Mastermind Sanchez nimmt den Terminus Konzeptband eben sehr ernst und gibt sich nicht mit einer eigenen Comicserie zufrieden, die die Storyline seiner Kopfgeburt in sich trägt.

An die bestechende Genialität eines „In keeping secrets of silent earth: 3” (06/2004) reicht „Year of the black rainbow“ zwar nicht heran, dafür präsentiert der Vierer ein abwechslungsreiches Progressive Rock-Album für die Emo-Generation, der My Chemical Romance zu schmalzig und Jimmy Eat World zu fröhlich ist. Coheed And Cambria verzehren und verweben schließlich einige angesehene Künstler und Stile in ihrem Schaffen, was sogleich nach dem ziemlich überflüssigen Intro „One“ mit „The broken“ klargestellt wird. Post-Hardcore-Gitarren verschmelzen mit der exaltierten Darbietung von Claudio, der ähnliche Kapriolen schlägt wie ein Cedric Bixler-Zavala (The Mars Volta, At The Drive-In), ein Breitbandinstrumentarium wütet im Hintergrund um der Nummer die richtige Tragfläche zu verleihen und fertig ist die erste Hymne der Platte.

Den Vogel schießen Coheed And Cambria anschließend mit dem nervösen „Guns of summer“ ab. In der Exposition verfrickelt und unruhig, nimmt der Song mit jedem weiteren Durchlauf an Substanz und Durchschlagskraft zu. Schuld daran ist abgesehen von der irren Arbeit an den Instrumenten vor allem die eingängige Bridge zum Refrain hin und die darin enthaltene Hookline selbst. Ein weiterer subtiler Ohrwurm versteckt sich in „Here we are juggernaut“, einem an und für sich recht geradlinigen Rocksong, der aber gerade wegen seiner abgedrehten Skizzierung mit wütenden Spuren aus elektronischer Entfremdung und der wiederkehrenden Titelzeile ein Stammgast im Gehörgang ist. Bevor ein musikalischer Burnout für Hörer und Band eintrifft, schmeißen die New Yorker die Ballade „Far“ ins Lagerfeuer, die vorerst nur aus Sanchez warmer Stimme, minimalistischer Gitarrenmelodie und Elektronik ihr Dasein fristet, doch mit einem kurzen lautstarken Ausbruch ein Glanzstück auf „Year of the black rainbow“ darstellt.

Leider war es das auf der Haben-Seite dann auch schon und mit Ausnahme der Schunkelrock-Nummer „Made out of nothing“ und dem zweiten romantische Emotionen evozierenden und den Pop mit offenen Armen umarmenden Song „Pearl of the stars“ verlieren sich Coheed And Cambria in gute, aber etwas sensationsarme Kompositionen, denen eine durchgehend spannende Idee abgeht. Hier war wohl der Leitsatz lieber nicht zuviel zu riskieren um nicht in ähnliche Belanglosigkeiten wie beim Vorgänger hineinzuschlittern oder der Over-The-Top-Inszenierung einer überfrachteten The-Used-Veröffentlichung anheim zu fallen. Nichtsdestotrotz ist die Vorgeschichte der „Armory wars“ vor allem wegen der extrem starken, ersten Hälfte eine Empfehlung für Fans von anspruchsvollem Progressive Rock der jüngeren Generation.

Anspieltipps:

  • Far
  • Guns Of Summer
  • Pearl Of The Stars
  • Here We Are Juggernaut

Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
7/10

Topographic Drama: Live Across America
  • 2017    
8/10

Reap The Storm
  • 2017    
Diskutiere über „Coheed And Cambria“
comments powered by Disqus