Bobo In White Wooden Houses - Transparent - Cover
Große Ansicht

Bobo In White Wooden Houses Transparent


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Anfang der 90er Jahre tauchte ein Ostberliner Band aus dem Nichts auf, deren Sängerin Christiane Hebold, genannt Bobolina, Gesang studiert hat. Mit englischen Texten und Folk-Pop, der recht international klang, begeisterte die Band nicht nur die Kritiker. Nach anfänglichen Erfolgen trennten sich die Wege aber schon bald, nachdem der Gitarrist Frank Heise Selbstmord beging. Nach einem kurzen Intermezzo mit neuer Besetzung, wobei elektronische Elemente in den Gitarrensound aufgenommen wurden, wurde es wieder sehr ruhig. Die Sängerin Bobolina wirkte bei Rammsteins „Engel“ mit und widmete sich einigen Projekten wie einer CD mit deutschen Volksliedern in neuer Interpretation.

2010 kam der alte Bassist Alex „Lexa“ Schäfer wieder, Christiane stand natürlich am Mikro, der neue Schlagzeuger Christian Kohler wurde verpflichtet und als Gitarrist und gleichzeitig Produzent fungierte der Multiinstrumentalist Jan Stolterfoht. Es regieren die Gitarren und es wurde auf jegliche elektronische Experimente verzichtet: Schlagzeug, Gitarre, Bass und Stimme lautet die einfache Erfolgsformel. Die CD wurde live auf der Insel Rügen eingespielt und was bekommt man geboten? Es klingt erst mal nach deutschen Indie-Pop und vor allem der zeitweise Hall unter Bobolinas Stimme scheint aufgrund der Eindringlichkeit und Dominanz unnötig, aber der Beginn der CD scheint viel versprechend: „Run“ ist feiner Gitarren-Folk-Pop, der von der eindringlichen Stimme Bobolinas getragen wird. Die Gitarren klingen nicht nur hier reichlich psychedelisch.

„Courage“ setzt auf die Stimmenkarte, also die Fähigkeiten der Sängerin Hebold zusammen mit leicht treibender Melodieführung. Insgesamt komponierten Bobo In White Wooden Houses (BIWWH) vorwiegend überdurchschnittliche Tracks, die größtenteils überzeugen. Zwar gibt es auch schwächere Songs, seltsamerweise offenbart das ganz sanfte „So Called Pride“ doch ein kleines Dilemma: So eindringlich und bemerkenswert die Stimmbänder Hebolds sind, ein wenig beginnt nach übermäßigem Genuss die hohe Tonlage, die meist auf einer Höhe bleibt bei den ruhigen Stücken zu nerven bzw. sie berührt nicht wirklich. Das ist nicht bei allen Songs so, einige wachsen bei jedem Hördurchgang, da sie gute Tempowechsel beinhalten und sich langsam ins Ohr einschleichen.

Auch die Handschrift des Produzenten Stolterfoht kann man nicht überhören: Die sanften wabernden Gitarrenwände gehören fast immer dazu, aber sie retten auch manche Songstruktur vor der fehlenden Abwechslung. Am stärksten sind BIWWH, wenn sie eine sich langsam steigernde Indie-Pop-Perle wie „ Keep Movin' On“ oder das flotte Titelstück „Transparent“ zelebrieren, da können sie auch nach ihrer langen Pause der Konkurrenz qualitätsmäßig die Stirn bieten.

Anspieltipps:

  • Run
  • Keep Movin' On
  • Heart of mine
  • Transparent

Neue Kritiken im Genre „Folk-Pop“
Diskutiere über „Bobo In White Wooden Houses“
comments powered by Disqus