Schöftland - Der Schein Trügt - Cover
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Schöftland Der Schein Trügt


  • Label: Chop Records
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Schöftland ist nicht nur eine Gemeinde im Schweizer Kanton Aargau, sondern auch eine Indie-Rockband aus Bern in der, nun ja, etwas verschnarchten Schweiz. In der blanken Theorie klingen diese Informationen nicht wirklich aufregend. Wenn die Presseinfo zum Debütalbum der jungen Herren von Schöftland dann auch noch einen Vergleich mit einer der besten deutschen Bands, nämlich Element Of Crime, auffährt (wenn auch „nur“ als Zitat aus einer Tageszeitung), wird bisweilen sogar Argwohn ausgelöst: Sollen hier etwa wieder einmal ein paar Newcomer auf besonders ungeschickte Art und Weise schmackhaft gemacht werden?

Keine Frage, der Verdacht liegt nahe, doch der Schein trügt, wie dem Betrachter nicht nur der Albumtitel des Schweizer Quintetts klarmacht. Doch ausnahmsweise wird ein – zugegeben – sehr hochgegriffener Vergleich nicht gleich im Keim erstickt, sondern füllt sich wie im Fall von Schöftland mit Leben! Denn als Nachfolge-Longplayer ihrer Debüt-EP „Nur Turisten“ (2007) liefern Kaspar von Grünigen (Gesang, Bass), Floh von Grünigen (Gitarre, Gesang), Stefan Rolli (Saxophon, Synthesizer), Sascha Mathys (Gitarre, Gesang) und Patrik Zosso (Drums) ein Album ab, das in der Tat keine Vergleiche zu scheuen braucht.

Frei von jeglicher Hektik zelebrieren die Schweizer ihre Songs, ob als lärmende Rocker („Blaulicht“), große Indie-Hymen („Liebesbrief“) oder als jazzige Popsongs mit Kontrabass, Saxophon und Harmonium („Der Schein trügt“, „Wir können fliegen“). Dabei setzen sie auf maximale Atmosphäre und Abwechslung, wobei auffällt, dass sowohl die Klangfarbe als auch die Abmischung der Stimme von Sänger und Bassist Kaspar von Grünigen einer Mixtur aus Sven Regener (Element Of Crime) und Dirk von Lowtzow (Tocotronic) gleicht (man höre nur „Komet“ oder „Dass ich schlief“).

Inhaltlich arbeiten Schöftland mit tiefgründigen, ab und zu etwas holprig, aber nie gekünstelt gereimten Texten, die zwar (noch) nicht die grandiose Bildsprache eines Sven Regener erreichen, aber im Kontext der Musik dennoch gut funktionieren. Überhaupt klingt das gesamte Album wie aus einem Guss und überzeugt im schweren Umfeld deutschsprachiger Pop/Rockmusik als ausgereiftes Debüt, das schon jetzt Lust auf eine baldige Fortsetzung macht.

Anspieltipps:

  • Blaulicht
  • Der Sturm
  • Liebesbrief
  • Niemandsland
  • Dass ich schlief

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