Hole - Nobody´s Daughter - Cover
Große Ansicht

Hole Nobody´s Daughter


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
4/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Eigentlich hätte „Nobody’s Daughter” als zweites (rein akustisches) Soloalbum von Courtney Love (45) erscheinen sollen. Jetzt steht es als fünftes Album der 1989 gründeten und 2002 aufgelösten Grunge-Band Hole in den Regalen. Mit Hole gehörte Kurt-Cobain-Witwe Courtney Love zur Speerspitze der frühen Grunge-Szene und der Riot-Grrrl-Bewegung, wobei der kommerzielle Erfolg eher überschaubar ausfiel. Doch durch Frau Loves Talent für skandalträchtige Auftritte und nicht zuletzt die Ehe mit Nirvana-Boss Kurt Cobain, standen Hole (also Courtney Love) immer irgendwie in Reichweite des Ruhms.

Produzent Michael Beinhorn (Marilyn Manson, Red Hot Chili Peppers, Soul Asylum, Social Distortion), der auch das bis dato letzte Hole-Werk („Celebrity Skin“, 1998) unter seinen Fittichen hatte, ist wieder mit an Bord. Die letzte Hole-Besetzung wurde dagegen komplett ausgetauscht und auch in Sachen Songschreiben vertraute die 45-Jährige mehr denn je auf externe Unterstützung durch die Hit-Komponistin und Produzentin Linda Perry sowie Smashing-Pumpkins-Mastermind Billy Corgan.

Mit vereinten Kräften versucht das Trio Love/Perry/Corgan dem neuen Album eine Richtung zu geben. Der Sound ist dabei zeitgemäß und ziemlich fett produziert. Mit dem räudigen Grunge früher Werke ist das auf jeden Fall nicht zu vergleichen. Die rohe Attitüde muss also woanders herkommen, wenn man auch nur ansatzweise an die Hole-Stimmung der 90er Jahre anknüpfen möchte. Das funktioniert nur mit einer gewohnt biestigen Gesangsleistung und derben Texten, mit denen sich Hole einen „Parental Advisory Explicit Content“-Sticker verdienen. Bei lyrischen Ergüssen wie „People like you / fuck people like me / in order to avoid suffering” kein Problem. Ein Knackpunkt sind indessen die Songs an sich, die meist ohne große kompositorischen Raffinessen auskommen müssen und dies auch nicht durch gesunde Härte kompensieren können.

Wo wollen Hole anno 2010 hin: Ins Formatradio („Honey“, „For once in your life“) oder in einen dreckigen, verschwitzten Rock-Club („Skinny little bitch“, „How dirty girls get clean“)? Angesichts eines Longplayers wie „Nobody’s Daughter“ ist das schwer zu beantworten. Denn so richtig klar wird dem Hörer nicht, was er mit harmlosen Sing-A-Longs wie „Pacific coast highway” und „Samantha“ (den derben Refrain mal außen vor gelassen), schlappen Balladen wie „Letter to god“ und bemüht harten Stücken wie „Loser dust“ anfangen soll. Das führt zu dem Fazit, dass fast das gesamte Songmaterial schrecklich umständlich wirkt – so, als hätte Courtney Love nicht wirklich etwas zu erzählen. Und immer dann sollte sich ein Künstler eine Albumveröffentlichung lieber sparen, sonst könnte das Ergebnis wie ein ganz laues Lüftchen klingen.

Anspieltipps:

  • Loser dust
  • Skinny little bitch
  • Someone else’s bed

Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Hole“
comments powered by Disqus