Fozzy - Chasing The Grail - Cover
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Fozzy Chasing The Grail


  • Label: Plastic Head/SOULFOOD
  • Laufzeit: 65 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Falls jemand noch nicht wusste, dass die Furcht vor Freitag dem 13. auch eine offizielle Phobiebezeichnung hat, der erfährt hier mehr.

The duke is back! Kaum zu glauben, dass seit dem Debüt von Stuck Mojo schon 15 Jahre vergangen sind. Mit jener Band war Rich Ward ein Pionier auf dem Gebiet des Crossover, doch den Ruhm haben andere eingeheimst, vor allem später, als sich daraus der sogenannte Nu-Metal entwickelt hat. Damals hat ein deutsches Metalmagazin geschrieben, wenn Zakk Wylde der König der moderen Rockgitarre ist, dann ist Rich Ward der Herzog. Stuck Mojo hat sich zwischenzeitlich aufgelöst und in anderer Zusammensetzung wieder reformiert, doch Rich „The Duke“ Ward fand eine neue Beschäftigung. Gegründet wurde eine Spaßband ohne jegliche Verpflichtungen, die Coversongs spielte und sich Fozzy Osbourne nannte. Schritt für Schritt wurde es dann doch immer ernster, sie nannten sich nur noch Fozzy und nahmen ihre Coversongs auf. Mit ihrem dritten Album entschieden sie sich dann für eigene Songs und nun erscheint die vierte Position in der Diskographie.

Fozzy beinhaltet einige bekannte Gesichter von Stuck Mojo, aber der Hauptunterschied liegt in der Person am Mikro. Falls sich jemand ein wenig für Wrestling interessiert, dem wird der Name Chris Jericho sicherlich einiges sagen. Er singt jedenfalls besser als Dwayne „The Rock“ Johnson schauspielert. Jerichos Stimme bringt viel Melodie in die Musik und verschiebt sie von Heavy Metal mehr in Richtung Hardrock. Wards typische Metal-Riffs sind natürlich vorhanden, aber das verkannte Genie an der Gitarre hat sein Songwriting angepasst und deutlich eingängiger gestaltet. Zumindest war es auf dem Vorgänger so. „Chasing The Grail“ ist wie eine verspätete Osterüberraschung, ein Korb mit Schoko-Ostereiern deren unbekannter Inhalt erst beim drauf beißen die Geschmacksknospen auf der Zunge in Wallung bringt. Sie sehen von außen alle gleich aus, bestehen alle aus einer Schokoladenhülle, aber der Inhalt ist immer wieder anders und bei einigen sehr überraschend.

Fangen wir mit der ersten Ballade von Fozzy an, „Broken Soul“ ist weder kitschig noch schmalzig, dafür aber mit einem coolen Gitarrenlick ausgestattet. Das Album ist an vielen Stellen auch deutlich härter als sein Vorgänger (Hauptbeispiele: „Under Blackened Skies“ und „Pray For Blood“). Typische Fozzy-Songs, wie „Martyr No More“, „Let The Madness Begin“ oder das mit einem grandiosen Riff im Strophenteil versehene „Grail“ bieten entspannten Hörgenuss. Den Vogel schießt „New Day's Dawn“ ab. Wieso um Himmels Willen singt eine Frau diesen Song und wer ist diese seltsame Unbekannte? Stellt sich heraus, dass sie ein er ist, hat zwar lange blonde Haare, aber ist doch zu muskulös, hat zu viele Tatoos und diesen Machoblick. Trotzdem singt er im Falsett. So ist er, der Rich Ward. Nach anfänglichem Schock wirkt der Song aber immer besser. Im Gegensatz zu „God Pounds His Nails“, das mit Hey-Rufen eher langweilig daherkommt. Außerdem hat sich noch ein typischer Stuck Mojo Song in die Setlist eingeschlichen („Revival“), der aber Jericho nicht ganz so gut zu Gesicht steht.

Falls jemand noch nicht wusste, dass die Furcht vor Freitag dem 13. auch eine offizielle Phobiebezeichnung hat, der erfährt mehr in „Paraskavedekatriaphobia (Friday the13)“. Der Schlusstrack weiß auch zu überraschen, denn beim ersten flüchtigen Blick auf die Restspieldauer traut man seinen Augen nicht. 14 Minuten?! Von Fozzy? Ist mein CD-Abspielgerät im Eimer? Nee, „Wormwood“ ist der erste nicht von Rich geschriebene Song auf einem Album seiner Bands und dazu ein sehr interessantes Epos mit einem deutlichen Prog-Einschlag, versehen mit Chor, Akustikpassagen, einigen Growls und sehr vielseitiger Gesangsarbeit von Jericho. Ein Song über die Offenbarung des Johannes, das letzte Buch des Neuen Testaments. Nach fünf Jahren Pause kehren Fozzy mit einem härter ausgerichteten Album zurück, das überraschend vielfältig ist, aber trotzdem keinen vom Hocker hauen wird. Eine solide Leistung mit einer fraglichen Langzeitwirkung. Halb so wild, das nächste Stuck Mojo Werk kommt bestimmt...

Anspieltipps:

  • Let The Madness Begin
  • Grail
  • Wormwood
  • Broken Soul
  • Paraskavedekatriaphobia (Friday the 13)

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