Kafkas - Paula - Cover
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Kafkas Paula


  • Label: Domcore/Broken Silence
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine große Portion Ironie, vermengt mit naiv erscheinenden Gute-Laune-Phrasen, welche im Gesamtkontext ihre Wirkung nicht verfehlen.

Seit 1995 bestehen die Kafkas aus Fulda und waren bisher vor allem in der Punkrock-Szene stark verwurzelt, was zu einem weit gespannten Netzwerk aus befreundeten Bands, Clubs und Labels führte. Aufnahme und Produktion übernehmen sie ohnehin selber, so auch beim fünften Album „Paula“. Immer mit dem einen Bein in Tierschutzfragen und anderen politischen Dingen aktiv, verbindet sie einiges mit der kanadischen Punk/Hardcore-Institution Propagandhi, die sich bereits dreimal die Kafkas als Tour-Support wünschte. Musikalisch ist jedoch bei der Band aus Fulda mittlerweile weniger Punk zu finden, sondern eher polierte NDW-Beats, melodische Pop/Rock-Arrangements und Texte, die nur unterschwellig Kritik verbreiten.

Vielmehr ist es eine große Portion Ironie, vermengt mit naiv erscheinenden Gute-Laune-Phrasen, welche im Gesamtkontext ihre Wirkung nicht verfehlen. So zum Beispiel beim dringlichen Opener „Klatscht In Die Hände”, einem feierlichen Entwurf für den Zeitpunkt, an dem endlich alles besser wird, die soziale Kälte von heute auf morgen verschwindet und Menschlichkeit über allem steht. So weit, so utopisch. Aber für Utopien war Musik schon immer gut und wenn sie so Laune macht, wie bei den Kafkas, geht das mehr als in Ordnung. So beiläufig, wie “Ich Will Kein Kumpel Von Euch Sein” textlich Antipathie äußert, so punktgenau sitzen die kleinen Stiche in Richtung Fleischesser-Fraktion. Erfreulicherweise wird da kein mahnender Zeigefinger erhoben, sondern mit viel Freude Wortakrobatik betrieben, die jeder für sich interpretieren kann.

Musikalisch setzen die harmonie-süchtigen Gitarren Akzente, reißen so durchgehend mit und wenn trotz angerissenem Punkrock vor allem rockiger Pop erstrahlt, ist das für die einen vielleicht Sell-Out, für die anderen aber ein selig machendes Erlebnis, dem man rein gar nichts vorwerfen kann. Die Lücke, die ...But Alive hinterlassen haben, ist mit den Kafkas und “Paula” um einiges kleiner geworden und rettet wenigstens den Frühling, wenn nicht sogar das ganze Jahr vor Trostlosigkeit mit gehörigem Text-Charme und dem Gefühl, einfach mal losgelöst rocken zu dürfen, ohne die Werte der Band ganz außen vor zu lassen. Ein gelungener Spagat!

Anspieltipps:

  • Klatscht In Die Hände
  • Ich Will Kein Kumpel Von Euch Sein
  • Der Kuchen Ist Gegessen
  • Nur Noch Eine Raste

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