Caribou - Swim - Cover
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Caribou Swim


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit Ansage: bisher war jedes Album des kanadischen Mathematikers Daniel Snaith besser als sein vorheriges; nach dem Preisgekrönten „Andorra“ blieb da nur noch eine Option: „Swim“ ist ein kleines Meisterwerk, entrückt, sphärisch beseelt, strukturell hochkomplex und wunderbar piktoresk.

Der Blogosphären-Hype um Vorab-Single „Odessa“ hat also wahrlich nicht zuviel versprochen, der Rest auf „Swim“ steht dem sprudelnden Gebilde aus Rhythmik und Perkussivität in nichts nach. Snaith, mit „Swim“ manifestiert er es, ist ein Ausnahme-Arrangeur elektronischer Popmusik, ein komponierender Bastler, der die Gewichtung diesmal wesentlich stärker auf unwiderstehlich treibende Tanzbarkeit legt, als auf das frühere Steckenpferd der indieesken zartbesaiteten Gefühlsarithmetik.

Wobei diese durchaus nicht zu kurz kommt, wie die lyrischen Andeutungen über Einsamkeit und Liebessinnsuche genauso belegen, wie Snaith’s fortwährend sensible und stimmliche Intonierung. Nur konnte niemand diesen Quantensprung an eingängiger Rhythmisierung erahnen der hier vollzogen wird: „Swim“ ist ein farbenfroher, berauschender Tanz. Nicht in der Disko, sondern im Herzen, was allein schon Grund genug für einen erhöhten Mehrwert darstellt. Müßig die vertrakten Kompositionen aus Laptop-Sounds, Gitarrenarbeit, einer Heerschar aus perkussiven Instrumenten und vielerlei Gebläse aufzudröseln und journalistisch zu entzaubern. Caribous neues Album „Swim“ ist ein Faszinosum, das Aufdeckung jeglicher Art nicht bedarf: „Odessa“ oder das ausufernde „Sun“, „Found Out“ mit seinen wohl gesetzten Gitarren-Picks, das erschaudernd schöne Perkussivitäts- und Gebimmel-Monster „Bowls“, das hymnische „Leave House“ genauso wie das flatterhafte „Jamelia“: jeder Song auf „Swim“ könnte seitenlange Beschreibungen nach sich ziehen, zu verwoben, zu komplex gebärden sich Beatstruktur und Instrumenteneinsatz. Verdichtet aber genügt zu wissen, dass sie helfen, eine sensible Schönheit ungeahnten Ausmaßes entstehen zu lassen.

Daniel Snaiths künstlerischer Börsenkurs kannte bisher nichts als Anstieg. Nun scheint mit „Swim“ ein Höhepunkt erreicht, der eine neuerliche Überbietung höchst zweifelhaft erscheinen lässt. Anstatt sich aber über zukünftiges überambitioniert zu Sorgen, darf mit „Swim“ in einer einzigartigen Gegenwart verharrt werden. Und das für eine scheinbare Ewigkeit.

Anspieltipps:

  • Odessa
  • Sun
  • Found Out
  • Bowls
  • Leave House
  • Jamelia

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