Christina Aguilera - Bionic - Cover
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Christina Aguilera Bionic


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 79 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die neuen Songs auf der vor 18 Monaten erschienenen „Best Of“-Auswertung „Keeps Gettin’ Better: A Decade Of Hits“ (11/2008) sollten es bereits andeuten: Auch nach 30 Millionen verkaufter Alben ist Christina Aguilera bereit, sich musikalisch zu verändern und weiterzuentwickeln, aber auch von anderen Künstlerinnen inspirieren zu lassen. So ist es kein Geheimnis, dass der weibliche Teil der Popwelt alles in Bewegung setzt, um – mal mehr, mal weniger verkrampft – auf den Lady-Gaga-Zug zu springen.

Auch eine Christina Aguilera ist davor nicht gefeit, wobei sie ihr Comeback nach vier Jahren Pause nach ihrem letzten Studioalbum „Back To Basics“ (08/2006) zudem mit einem guten Schuss kühler Erotik im Stil von Madonna in den frühen 90er Jahren würzt. Nicht dass das etwas Neues für Frau Aguilera wäre, sich für den Erfolg auszuziehen, doch so bekommt der geneigte Fan zuerst einmal viel nackte Haut im CD-Booklet sowie im Videoclip zur ersten Singleauskopplung „Not myself tonight” geboten, bevor das Thema überhaupt auf die Musik kommt.

Diesbezüglich hat die 29jährige junge Mutter nur noch ganz wenig auf die ehemals so gefragten Dienste von Songschreiberin und Produzentin Linda Perry (u.a. Celine Dion, P!nk, Gwen Stefani, Kelly Osbourne, James Blunt, Alicia Keys) zurückgegriffen. Dafür wurde für „Bionic“ eine Garde junger und frischer Songschreiber und Produzenten bzw. solche Leute verpflichtet, deren Sound zurzeit einfach angesagt ist. Aus dem erweiterten Indie-Umfeld kommen Ladytron und Le Tigre, aus dem Bereich Popmusik kommen Beiträge von Cathy Dennis und Sia Furler, ergänzt um die Studiokünste von Tricky Stewart (Katy Perry, Beyoncé, Rihanna) und Polow Da Don (Keri Hilson, Fergie, Pussycat Dolls).

Damit ziehen endgültig Stilelemente aus HipHop, R&B und Electro-Pop in den Sound der Aguilera ein, die das Ganze erstaunlich konsequent durchzieht – zumindest bis zur Albummitte. Doch spätestens wenn die selbsternannte „Prima Donna“ einen Einblick in ihr Privatleben serviert, beginnt die berühmte Fremdschämviertelstunde. So ist das anzügliche „Desnudate“ noch erträglich, aber mit dem „Morning dessert“-Intro und dem folgenden „Sex for breakfast“-Track schrillen die Alarmglocken, denn beide Songs sind schlimme R&B Kopulationsschnulzen, wie sie Prince oder R. Kelly inhaltlich wie musikalisch auch nicht übler hinbekommen hätten.

Erst einmal im Liebesstrudel angekommen, wird eine kalkulierte Popballade aus der Feder von Linda Perry nachgeschoben („Lift me up“), dürfen sich Kind und Ehemann im Intro zur nächsten Ballade zu Wort melden („My heart“), wird noch ein balladesker Titel nachgeschoben („I am“) und als Krönung noch eine Pianoballade (!) draufgesattelt („You lost me“), womit der rote Faden vollends dahin ist, da die komplette zweite Hälfte des Albums gefühlt nur aus Balladen besteht. Erst mit „I hate boys“, dem Peaches-Duett „My girls“ und dem pumpenden „Vanity“ wird der anfängliche Drive wieder erreicht, der Titel wie „Woohoo“, „Elastic love“ und „Glam“ zu Beginn der CD auszeichnet.

Bis dahin hat Christina Aguilera bereits die große Chance auf eine echte Überraschung vergeben. Denn mit der inhomogenen Songverteilung wirkt das Album zerrissen. Ein paar Balladen weniger und diese besser verteilt, hätten „Bionic“ garantiert besser getan, zumal sich auf der Deluxe Ausgabe des Albums genau solche Tracks verstecken, die einem besseren Gesamteindruck zuträglich gewesen wären („Monday morning“, „Birds of prey“, „Bobblehead“). Offenbar hat die Künstlerin auf halber Strecke der Mut verlassen, ihren neuen Stil konsequent von vorne bis hinten durchzuziehen. Deshalb sei allen Interessierten ausdrücklich die Deluxe Version von „Bionic“ ans Herz gelegt.

Anspieltipps:

  • I am
  • Vanity
  • Woohoo
  • Elastic love
  • Monday morning
  • Stronger than ever
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