Rufus Wainwright - All Days Are Nights: Songs For Lulu - Cover
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Rufus Wainwright All Days Are Nights: Songs For Lulu


  • Label: Decca/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieses Album ist ein trauriges, nachdenkliches Stück Musik voller Ausdruck und guter Klaviermusik.

Rufus Wainwright. Dieser Name steht für eigenwillige und oft zu groß angelegte Musikprojekte. Rufus greift gerne ziemlich hoch und steht auch dazu. Da verwundert es, dass auf dem neuen Album allein das Klavier seinen Begleiter mimt. Gar als „Beschützer“ und als „Kokon“ beschreibt der Musiker das Instrument, mit welchem er auf „All Days Are Nights: Songs For Lulu“ so intim und einsam in Zweisamkeit arbeitet. Das neue Album also als Bewältigungstherapie der sonst so hektischen Musikwelt voller Deadlines und Produzenten, die nach dem neuesten Output gieren? Nun, es ist zu bezweifeln, dass nicht irgendein Vertrag besagt, dass Rufus auch weiter Musik für Universal zu entwerfen hat, aber wir wollen dem Musiker glauben und hoffen für ihn, dass er sich auf die wirklich wichtigen Dinge besinnen konnte und dem Hörer nebenbei auch noch ein schönes Stück Musik serviert.

Jetzt wird Wainwright jedoch gleich mit Schubert verglichen, was so unangebracht ist, wie Cate Blanchett mit Frau Bergmann zu vergleichen. Diese Leben finden in völlig verschiedenen Dekaden, in diesem Fall sogar Epochen statt. Der Interpret greift zwar oft zu Mitteln der klassischen Pianomusik, aber nicht selten mogeln sich moderne Akkorde herein, um mit dem Gesang eine ansprechende Harmonie zu schaffen, anstatt wie Antikörper zu wirken, die sich gegenseitig abstoßen und nicht zusammenfinden. Es ist vielleicht auch seiner Schwester Martha, welcher ein Lied gewidmet ist, zu verdanken, dass es nicht schwer fällt, Wainwright wieder so minimalistisch zu hören. Wer sich mit der Materie des Albums beschäftigt, merkt auch schnell, dass das Selbstbewusstsein/der Größenwahn nicht abhanden gekommen sind. Die drei Sonette auf dem Album nennen Texte Shakespeares ihr Eigen. Hier ist es fragwürdig, ob er den Geist des Schriftstellers wirklich trifft. Gerade diese Lieder klingen zeitgemäß und nicht nach Shakespeare. Es ist natürlich subjektiv, doch diese Stücke hören sich nicht unbedingt nach dem Macher von Romeo und Julia an.

Dieses Album ist ein trauriges, nachdenkliches Stück Musik voller Ausdruck und guter Klaviermusik. Ein interessanter Schritt der Minimalistik, das gegen die Elektronisierung der heutigen Musikszene arbeitet. Ansonsten hört man reine Pianoklänge nur noch auf Jazzplatten, wenn überhaupt und wer eine Schwäche für dieses Instrument hat und der heutige Pop zu klebrig und süß ist, der wird auf diesem melancholischen Silberling etwas Neues oder besser Altbewährtes vorfinden, das an Gefühl und Machart in der Oberliga mitspielt. Es wäre wohl besser gewesen, wenn Rufus sich auf seine Stücke konzentriert hätte, um sich auf die Trauer zu fokussieren, da Shakespeare so doch ein wenig befremdlich wirkt, auch aber nicht nur wegen der Machart.

Anspieltipps:

  • Zebulon
  • Martha
  • The Dream

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