CocoRosie - Grey Oceans - Cover
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CocoRosie Grey Oceans


  • Label: Sub Pop/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Unsere Hörgewohnheiten stellten CocoRosie ja schon immer auf die Probe. Zu ihren Phantastereien kommt nun noch ein weiterer Aspekt hinzu. Nicht nur winken die Casady-Schwestern von einem zugleich faszinierenden und verstörend fremden Paralleluniversum auf uns Gewohnheitswesen herab, mit Album Nummer vier, spätestens, fährt ihre außergewöhnliche Folk-Exotik langsam aber sicher ein in das partitionierte System menschlicher Hörgewohnheiten.

CoCoRosie´s Kunst bleibt innerhalb alternativer Musik in gleicher Weise hochgradig spannend, wie damals bei ihrer öffentlichen Entdeckung. Und doch: wer CocoRosie gut genug kennt, weiß schon vor dem Hören von „Grey Oceans“, was er bekommen wird – ein spannendes, außergewöhnliches, artifizielles Stückchen Pop. Und nur weil man darum weiß, ist das jetzt weniger wert? Ertappt weiß der alte Affe Konsument nicht anders als betreten auf den Boden zu blicken, bei so viel beständiger Sucht nach Neuartigkeit.

Nein, CocoRosie´s „Grey Ocean“ ist bezaubernd starke Musik, die entrückt in andere Vorstellungswelten zu versetzen weiß, nur mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass wir dies schon vorher antizipieren konnten. Die langjährige Studio- und Live-Hilfe Gael Rakotondrabe wird mittlerweile als gleichberechtigtes Bandmitglied geführt, was CocoRosie hiermit zum Trio macht, ansonsten aber, wie gesagt, gibt’s die selbe leckere Suppe noch einmal.

Rakotondrabes Piano untermalt oder initiiert häufiger als früher die ausufernden Songideen; auf „Fairy Paradise“ überraschen gar kurzzeitig Diskobeats, nicht ohne die lustige Ansage „Trance-music makes the fairies dance“ von einer der Casady-Schwestern. Doch ist der Rest im Grunde CocoRosie wie wir sie kennen. Wieder verblieb man bei der Tradition nach der letzten Show einer langen Tour an Ort und Stelle, diesmal Buenos Aires, in ein Studio zu gehen und Ideen aufzunehmen, die sich aus dem Tourleben speisen. Für die biographisch rastlosen Sierra und Bianca Casady nichts als spannende Gewohnheit. Die hypnotisierende, elfische Stimmung auf „Smokey Taboo“ mit seiner pulsgebenden Rhythmik betört dabei genauso wie das um ein Klavier herumstampfende „The Moon Asked The Crow“ oder das alle Gefühlsregister ziehende „Lemonade“. Melangen aus Beats und zarten, pointierten Instrumentierungen („R.I.P. Burn Face“) sind aber immer noch Bestandteil ihres Soundspektrums, wie auch der ein oder andere Spaß („Hopscotch“).

Fazit: Das experimentelle Gemisch der Casady-Schwestern lässt immer noch an Einhörner glauben und an eine, im wahrsten Sinne des Wortes, faszinierendere Welt, als die unserer Gewohnheit.

Anspieltipps:

  • The Moon Asked The Crow
  • Lemonade
  • Smokey Taboo
  • R.I.P. Burn Face

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