Deftones - Diamond Eyes - Cover
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Deftones Diamond Eyes


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
8.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Was für eine schmerzvolle Entstehungsgeschichte! Nach der kommerziellen Bauchlandung mit „Saturday Night Wrist” (10/2006) und schier ewigen Sessions für das unter dem Titel „Eros“ geplante Nachfolgestudiowerk, das ursprünglich Anfang 2009 erscheinen sollte, warf die Band das düstere Album unter dem Einfluss des schlimmen Verkehrsunfalls von Bassist Chi Cheng im November 2008, der seitdem in einem Wachkoma liegt, in die Mülltonne und spielte innerhalb von nur sechs Monaten mit „Diamond Eyes“ ein komplett neues Werk ein. Chi Cheng wird darauf vom ehemaligen Quicksand-Bassisten Sergio Vega vertreten. Die Produktion übernahm Nick Raskulinecz (Alice In Chains, Rush, Foo Fighters, Stone Sour, Velvet Revolver).

Nick Raskulinecz sorgte trotz Pro-Tools-Verzicht für eine amtliche Klangkulisse, die das berühmte Wechselspiel in den progressiven Songstrukturen der Deftones unterstreicht. Darin harmonieren im Nu-Metal beheimatete tiefer gestimmte Gitarren mit Stakkato-Riffs und sphärischen Passagen, die sich auch mal in Ambient-Bereiche verirren. Es werden kurzweilige Laut/Leise-Dynamiken verwendet und eingängige Melodiebögen wechseln sich mit harten Nackenbrecher- und intensiven Gesangsparts zwischen Emo-Gebrüll und sanften Tonläufen ab.

Das Ergebnis ist in ersten Linie eine unheimlich intensive Atmosphäre, die in dieser Form wohl nur auf Deftones-Alben zu finden ist, auch wenn diese mal nicht ganz so gut ausfallen, weil als Gradmesser immer das 2000er Meisterwerk „White Pony“ herhalten muss. Auch „Diamond Eyes“ kommt da nicht heran. Dennoch hat sich die für Deftones-Verhältnisse spontane Arbeitsweise auf die Wirkungsweise der Songs übertragen. Titel wie „Royal“, „Beauty school“ oder „You’ve seen the butcher“ sind eben nicht mehr so kompliziert wie das meiste Material auf „Saturday Night Wrist” und gehen damit einfach viel besser ins Ohr, ohne dass der Verdacht aufkäme, die Deftones würden plötzlich eine Hitsingle anstreben.

Dazu sind die Kompositionen weiterhin zu anspruchsvoll und detailverliebt, wodurch sich die Band auch nur schwer in eine der vielen Schubladen in der Rockmusik stecken lässt. Dadurch ist „Diamond Eyes“ zwar noch kein Meisterwerk und vielleicht wäre ein extremeres Album wie „Eros“ etwas dankbarer aufgenommen, doch eine, selbst im Deftones-internen Vergleich „nur“ gute Platte wie „Diamond Eyes“, ist im externen Abgleich immer noch ein sehr gutes Album, nachdem sich andere Rockbands die Finger lecken würden.

Anspieltipps:

  • Royal
  • Rocket skates
  • Beauty school
  • You’ve seen the butcher

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