The Hold Steady - Heaven Is Whenever - Cover
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The Hold Steady Heaven Is Whenever


  • Label: Beggars/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus dem Hause The Hold Steady gibt es Trauriges zu berichten: Der langjährige Keyboarder und Multiinstrumentalist Franz Nicolay verließ die Gruppe zu den Aufnahmen der neuesten Veröffentlichung „Heaven Is Whenever“. Was das für die Mittdreißiger-Truppe für Auswirkungen haben sollte, kann nun auf dem fünften Album der New Yorker hörbar nachvollzogen werden. Natürlich gibt es auch positive Nachrichten zu vermelden: Da wäre zum Beispiel, dass Dean Baltulonis, Produzent des zweiten Hold Steady-Albums „Separation Sunday“ (2005) und Freund der Band, nach zwei Langspielern Abstinenz den Aufnahmen zu „Heaven Is Whenever“ wieder beiwohnte. Bedeutet dies auch die Rückkehr zur zügellosen Power der Songs aus jener Zeit?

„The Sweet Part of the City“, das erste Lied des Albums, enttäuscht zunächst in vielerlei Hinsicht, auch wenn sich durch den Einsatz von Slight-Gitarre ungewohnte Klänge hinein gemogelt haben: Es ist ein überraschend durchschnittlicher Song, der, nebst der erhofften Energie, auch fast jegliche Leidenschaft vermissen lässt, die zum Beispiel die Songs auf „Stay Positive“ (2008) ausmachte. Craig Finn entwickelt sich immer mehr zu einem richtigen Sänger, weg vom puren Geschichten erzählen vergangener Alben. Das ist soweit auch in Ordnung, solang er weiterhin wie gewohnt seine häufig niederschmetternden Geschichten über den amerikanischen Alltag, zwischen Arbeit und Langeweile, Restaurants, Bars und dem Geruch der Straße, wie er es scheinbar kennen gelernt und erlebt hat, vorträgt.

Erst beim dritten Stück, „The Weekenders“, finden The Hold Steady ansatzweise zu alter Form zurück: Schon bei den ersten Tönen ist klar, das hier etwas Besonderes passiert. Dezent angespielt und mit starkem Hall ertönt die Gitarre von Tad Kubler und als Craig Finn zu Singen beginnt, ist da jene Melancholie, die in den wirklich großartigen The Hold Steady Songs immer mitschwingt, bevor sie von verzerrten Gitarren einfach umgehauen wird. Die auf dem Cover abgebildete, zum Himmel gereckte Hand, kann, wenn der mitreißende Refrain erklingt, in diesem Moment durchaus als Symbol für die Musik von The Hold Steady genommen werden.

Doch das Fehlen von Keyboarder Franz Nicolay fällt im Folgenden dann doch sehr negativ auf. War es tatsächlich er, der fast jeden Song auf „Stay Positive“ zu etwas besonderem machte, immer zu einem prägnanten Klaviereinsatz oder einer ausgefallenen Idee bereit? Es scheint so, denn was auf „Heaven is Whenever“ übrig bleibt, ist größtenteils solider bis guter und kraftvoller Classic Rock, der weiterhin Bruce Springsteens Bruder im Geiste ist, nur eben für die kleinen Bühnen geschaffen. Zwar versucht Gitarrist Kubler mit ein paar Einsätzen an den Tasten das verloren gegangene auszugleichen, kann die Spuren jedoch nicht verwischen.

Dennoch schaffen es The Hold Steady, mit Songs wie „We Can Get Together“ zu berühren, mit Stücken wie „Hurricane J“ kompakten Rock zu schreiben, bauen bei „Our Whole Lives“ auch endlich wieder einen gewieften Bläsersatz ein, stimmen mit dem siebenminütigen Abschluss „A Slight Discomfort“ endgültig versöhnlich und halten sich letztendlich ganz ansehnlich über Wasser. Was bleibt, ist das Gefühl, gerade einem Mann in irgendeiner abgeranzten Bar beim Erzählen seiner bitteren Storys zuzuhören. Nur, dass man diesmal eher am Tresen sitzt, am Bier nippt und locker mit dem Kopf nickt, anstatt vor der Bühne stehend lauthals jede noch so traurige Zeile mitzusingen, die Hand in die Höhe gereckt, als könnten diese Songs dein Leben retten.

Anspieltipps:

  • The Weekenders
  • Hurricane J
  • Our Whole Lives
  • A Slight Discomfort

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