Dir En Grey - Uroboros: With The Proof In The Name Of Living At Nippon Budokan - Cover
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Dir En Grey Uroboros: With The Proof In The Name Of Living At Nippon Budokan


  • Label: Gan Shin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 187 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Kaum eine japanische Band spaltet die J-Rockfans so sehr wie die 1997 gegründete Band Dir en grey. Während die alteingesessenen Fans mit dem alten Stil der Japaner mit eher ruhigen, teilweise aber auch recht rockigen Alben bis „kisou“ (2002) im Visual Kei Stil mehr anfangen können, favorisieren die meisten neueren Fans (vor allem seit den USA-Konzerten 2005) den mehr an westlichen Metalcore orientierten Stil.

Anfang 2010 durfte die Band im Nippon Budokan, einer Kampfsporthalle die 1964 zu den Olympischen Spielen in Tokyo errichtet wurde und 14000 Menschen Platz gibt, ihre finale Tour Show an 2 Tagen hintereinander vor ausverkauftem Haus spielen. In dieser Halle haben neben japanischen Stars wie The Gazette oder An Cafe bereits internationale Stars wie den Beatles, Bryan Adams, Quincy Jones oder Avril Lavigne gespielt.

Während die CD Teile der Darbietung der Band am ersten Tag bietet, ist auf der DVD das zweite Konzert in voller Länge zu begutachten. Die CD beginnt unter grossem Jubel stimmungsvoll mit „Sa Bir“ einer apokalyptisch anmutenden Soundcollage mit dezentem Vogelgezwitscher und hinzugefügten Industrialanleihen, die im Jubel aber fast untergehen. Interessant anzuhören, aber mit vier Minuten doch sehr lang. „Gaika, Chenmoku Ga Nemuru Koru“ gibt sogleich einen Vorgeschmack auf die Marschrute des Albums. Abgesehen von ruhigen Parts, in denen Sänger Kyos Stimme sich immer wieder überschlägt und haarscharf am eigentlich vorgesehenen Ton vorbeischrammt, eine Speed-Death-Metalnummer mit entsprechenden Growls, die allerdings technisch gut gesetzt sind. Der aufkeimende Jubel bricht sehr schnell ab, offenbar sollte hier das Live-Feeling gekürzt werden.

Weiter gehts mit „Togoru“ ,einer Rockballade, bei der die geschrieenen Vocals im Gegensatz zu den Gesprochenen im Ohr weh tun. Musikalisch ist der Song sehr gelungen, doch wenn der Hörer beim ersten Schrei auf „Skip“ drückt, dann sollte dies zu denken geben. Das Semi-Instrumentale „Inward scream“ weiß dagegen mit seiner apokalyptischen Stimmung und den leise im Hintergrund gebrummten Stimmen zu gefallen. „Hydra -666-“ ist hingegen wieder ein Lied mit Licht und Schatten. Auch hier bezieht es sich auf den Gesang, der teilweise sehr bemüht wirkt, während die anderen Musiker vor Spielfreude und Filigranität kaum zu stoppen sind. Bei „Inconvenient Detail“, einem weiteren eher ruhigen Song, handelt es sich um den ersten grösseren Lichtblick der CD. Hier gelingt es erstmals Band und Gesang ein stimmiges Gesamtbild zu erschaffen, sieht man von einem kleinen Stimmaussetzer gegen Ende ab.

So geht es nun von Lied zu Lied und es wechseln sich Balladen mit Metalsongs und Instrumentalcollagen ab. Alles in allem reich an Abwechslung, wenn da nicht ein ums andere Mal die Stimme Kyos wäre, die variabel, dabei aber hochgradig unsicher wirkt. Ob dies daran liegt, das beim Abmischen der CD der Live-Charakter erhalten werden sollte oder ob es sein individueller Gesangsstil des Abends sein soll, bleibt fraglich. Ebenso merkt man der CD nur selten an, dass es sich um ein teilweise aufgenommenes Konzert handelt. Zum einen wird kaum dass man das Publikum wahrnimmt, diesem der Saft abgedreht, zum anderen hört man an den Übergängen zwischen den Liedern, dass es sich um einen Zusammenschnitt handelt.

Die DVD ist im Klangbild leider identisch, ihr Pluspunkt ist aber die visuelle Ebene, auf der das Konzert zu erfreuen weiß. Projektionen und Videos werden stimmig zum Klang eingespielt, zudem wird die Bühne in rot und blau stimmungsvoll ausgeleuchtet, auch Bodenstrahler, Flammenshow und Stroboskop-Licht fehlen nicht. Zudem kommt es phasenweise zu Interaktionen mit dem Publikum, gerade ein wichtiger Faktor im Einfangen der Stimmung, der leider auf der CD nicht festzustellen ist.

Unterm Strich bleibt ein Package, das vornehmlich neue Fans begeistern soll. Ob sich die Band durch die genannten gravierenden Schwächen allerdings neue Freunde macht oder die alten Fans endgültig verjagt, bleibt abzuwarten.

Anspieltipps:

  • Inconvenient Detail
  • Obscure
  • Vinushka

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