Booka Shade - More! - Cover
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Booka Shade More!


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Booka Shade sind tüftelnde Routiniers, denen man grundsätzlich unterstellen darf, dass sie ihren Sound genau so zu erzeugen im Stande sind, wie sie ihn anpeilen.

Hoffnungsvoll schaute man auf die Neo-Trance-Welle und Booka Shades erste beiden Alben. Doch wie fast alle Blüten elektronischer Musik, verblasste auch diese zeitgleich mit der In-Werdung besagter Strömung. „Mandarine Girl“ und „Body Language“ sind die langsam-minimalistischen Welthits, die Will.I.Am und andere bereitwillig zu zitieren wussten, um Techno und Pop ein wenig enger miteinander schmusen zu lassen. Doch der damit erlangte Status ließ Walter Merziger und Arno Kammermeier quasi ihr eigentliches Gesicht offenbaren: seit den Neunzigern als Produzenten, Songschreiber und Beatbastler zunächst im Synthie-Pop und später in elektronischen Gefilden unterwegs, geht ihr eigentlicher Anspruch mit Booka Shade über irgendeine Szene weit hinaus in den schimmernden Spot des Mainstream. Wer für die No Angels, wie für die Werbebranche arrangiert hat unweigerlich massenkompatible Ziele.

So wurde das dritte Album „The Sun And The Neon Light“ auch eine reichlich fade Abkehr hoffnungsvoller Beatträumereien. Nun folgt, im sechsten Bandjahr, das vierte Album als zunächst ganz ordentliche Rückbesinnung die doch im faulen Kompromiss endet. Den entrückt-schwärmerischen Minimal House der Aufsehen erregenden Tage glaubt man passagenweise wiederzuerkennen, wenn trance-ig gebremste Beateruptionen über Soundoberflächen wabern („Havanna Sex Dwarf”, „Regenerate“, „The Door“). Doch heimlich still und leise dekorieren Merziger und Kammermeier „More!“ mit zunehmendem Verlauf um, auf aalglatten Vocalhouse der maßlos sich selbst überschätzenden ibizaner Edeldisko. Der verspiegelten Pornosonnenbrille mag es gefallen, künstlerisch bleiben wird von den Kollaborationen mit Dieter Meier von Yello („Divine“) oder Chelonis R. Jones („Bad Love“) trotz manch viel versprechendem Beatstranges herzlich wenig.

Booka Shade sind tüftelnde Routiniers, denen man grundsätzlich unterstellen darf, dass sie ihren Sound genau so zu erzeugen im Stande sind, wie sie ihn anpeilen. Der leise Töne anschlagende, mit Trance-Anleihen versehene House der früheren Tage und ausgewählter, erfreulicher Tracks auf „More!“, ist nach wie vor ihrem kaschierenden, wie eine Schönheitslotion oberflächlich wirkenden Mercedes C-Klasse-House der Ibiza-Schule vorzuziehen.

Anspieltipps:

  • Havanna Sex Dwarf
  • Regenerate
  • The Door
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