65daysofstatic - We Were Exploding Anyway - Cover
Große Ansicht

65daysofstatic We Were Exploding Anyway


  • Label: Hassle Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Rezension ist eine kritische Auseinandersetzung mit einem konkreten, abgegrenzten Thema. Was passiert aber im Falle eines Themas, das nicht wirklich so abgegrenzt ist, wie einer es erwarten könnte? Was tun, wenn eine Band Genres vermischt, sich nicht für eine musikalische Seite entscheiden möchte? Dann wird einem erst richtig bewusst welch subjektives Unterfangen das Verfassen einer Rezension ist. So viele Fakten und objektive Aussagen auch niedergeschrieben werden, ohne eine persönliche Wertung ist eine Kritik seelenlos und so interessant wie eine Bedienungsanleitung. Ohne Möglichkeit der Zustimmung oder Ablehnung, ohne Raum für eine Diskussion.

65daysofstatic bieten mit ihrem vierten Album jedenfalls genug Gesprächsstoff und zeigen dem Hörer, dass hier unterschiedliche Betrachtungswinkel angesetzt werden können und je nach Sichtweise die Beurteilung deutlich anders ausfallen kann. Die Briten haben auf „We Were Exploding Anyway“ ihre zwei wichtigsten Utensilien, die elektronischen Spielereien und den mathematischen Post-Rock, deutlich voneinander isoliert. Das ist wie mit einem Ei. Es beinhaltet sowohl Eiweiß als auch Eigelb, beides ist zusammen aber liegt doch getrennt vor. Die Lieder dürft ihr euch entsprechend als Spiegelei, Rührei oder Omelette vorstellen. Das Mischungsverhältnis der beiden Hauptzutaten fällt also sehr unterschiedlich aus.

Die elektronischen Sounds sind keine bloßen Spielereien mehr, es sind mittlerweile, jetzt muss das Unwort fallen, richtige Techno-Beats. Diese kriegen wir in „Mountainhead“ von der ersten Sekunde an um die Ohren gehauen, bevor sich die restlichen Instrumente dazu gesellen. Ebenso in „Weak4“ brutale, laute Beats mit polterndem Schlagzeug oder „Dance Dance Dance“, das plötzlich mit einem krassen Umbruch regelrecht elektronisch explodiert. Das sind ja richtige Noise-Lawinen. Dann wiederum Songs, die zwischen Elektro und wütenden Rock-Ausbrüchen pendeln, wie „Crash Tactics“ oder „Go Complex“, die glatt von The Prodigy stammen könnten. Dazwischen tauchen immer wieder 65daysofstatic auf, wie man sie von früher kennt, mit Elektro-Hintergrund statt dem neuen Vordergrund („Piano Fights“ und „Come To Me“).

Fast schon gemächlich und unspektakulär geht es in „Debutante“ zu. Zum Abschluss gibt es mit „Tiger Girl“ einen Track der Omelette-Sorte, wo alles gut durchmischt fertig gebraten wird. Die Band aus Sheffield geht einen mutigen Schritt in Richtung Elektro, büßt einiges an düsterer Grundstimmung ein, die noch auf dem Vorgänger „The Destruction Of Small Ideas“ so maßgebend war. Fröhliche Musik ist das noch lange nicht und in Clubs wird dies auch nicht anzutreffen sein, aber typischer Post-Rock ist das nicht mehr. Gut so, denn davon gibt es mehr als reichlich an jeder Ecke.

Anspieltipps:

  • Crash Tactics
  • Mountainhead
  • Weak4
  • Piano Fights

Neue Kritiken im Genre „Art-Rock“
7.5/10

Is This The Life We Really Want?
  • 2017    
6.5/10

The Lover, The Stars & The Citadel
  • 2016    
7.5/10

Stand Up (The Elevated Edition)
  • 2016    
Diskutiere über „65daysofstatic“
comments powered by Disqus