Kellner - Hey Dude - Cover
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Kellner Hey Dude


  • Label: Südpol Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Debüt war noch aus der Not heraus geboren. Mit Plattenvertrag und noch mehr Selbstvertrauen ausgerüstet packet Kellner nun der Eifer des Erfolgs und nur ein gutes Jahr nach seinem Überraschungsdebüt legt der Regensburger nach. Das sympathische „This Ocean Life“ war noch überstürzt und viele Tracks waren nett, aber nicht Musik, die die Szene bewegen sollte. Das Besondere an Kellners Musik war eher, dass sie ihm überraschend und auf den letzten Drücker den Unterhalt gerettet hat. Dieser Sympathiebonus geht für das zweite Album verloren, auch wenn man gern im Hinterkopf behält, dass der junge Mann sich erfolgreich hochgearbeitet hat. Jetzt bleibt zu hoffen, dass sein Eifer nicht in Übereifer endet oder er weiter so schnell Alben herausbringt, damit die Scheine im Portemonnaie nicht weniger werden.

Schon der Opener „Blooz“ sorgt für erstaunte Mienen. Was hier an Pathos und Struktur geboten wird, lässt das Debüt alt aussehen. Keine Spur von Hektik oder Not. An dieser Nummer wurde gefeilt mit Streichern und herzerweichender Melodie, ohne dass Kellner seine Ecken und Kanten einbüßt. Natürlich kann Matthias immer noch rocken, aber „Disappear“ ist mehr ein Allerweltsrocker, wie sie schon auf dem letzten Album ab und an aufkamen. Da dann Lieber eine Amy McDonald angehauchte Nummer, wie das akustische „Cotton Candy Lies“. Auch hier geht es ehrlich und handfest zur Sache, ohne das etwas gekünstelt wirkt, wie die vorgetäuschte Härte in „Disappear“. Gut genug kennt man Kellners Stil jedoch, um schnell zu merken, dass „iSong“ von fremder Hand geleitet wird. Produzent Jochen Schmalbach (u.a. Die Fantastischen Vier) zaubert aus dem Indie-Künstler einen durchgewaschenen Radiostar. Das ist weder durchgehend positiv, noch als negativ anzusehen. Erfolg sollte dem Regensburger mit solcher Musik gewiss sein und schlecht ist die Musik auch nicht, nur über ein ganzes Album verteilt würde es wahrscheinlich zu glatt wirken. Als Abwechslung und Aufzeigung des Potenzials für den großen Markt ist dieser Versuch jedoch mehr als in Ordnung.

Langsames Tempo, aber immer noch rockig ist und bleibt neben Akustikballaden das Spezialgebiet Kellners. „The Devil“ und „For Friedl“ sind auf jeden Fall zwei der stärkeren Tracks der LP. Dahingegen stellen sich die etwas zu weichen „And The Clouds“ und „Play“. Letzteres kann den zu weichen Start dann doch noch wettmachen und wird zu einer richtig fetzigen Ballade. „And The Clouds“ ist dann aber doch zu harmlos und zu uninspiriert. Apropos Inspiration: Die ambitionierten Kultlieder kommen erst noch. Schon an der Tracklist kann man sich denken, dass damit „Last Cannibal“ und „Werewolves“ gemeint sind. Ob es nun darum geht, dass der letzte Kannibale einsam auf einer Südseeinsel verhungert, weil er die komplette Sippschaft schon verspeist hat oder Autorücklichter bei Nacht für Werwolfaugen gehalten werden, einem Schmunzeln wird man sich kaum erwehren können. Diese ganzen Gute-Laune-Songs, zu denen sich auch „Pidgeons“ gesellt, sind zwar nicht die besten, aber mit Sicherheit die lebendigsten Lieder des Albums und sorgen für eine gute Mischung mit den ruhigen Stücken, die diesmal reifer klingen, als auf dem Debüt. Somit kann man Kellner nur gratulieren, dass er Eifer und Reife kombinieren konnte und ein wirklich gutes Album in die Welt gesetzt hat. So kann es im Leben kommen. J.K. Rowling hat schon gezeigt, dass der Schritt vom Sozialhilfeempfänger zum Superstar machbar ist. Das wünschen wir jetzt natürlich auch Matthias.

Anspieltipps:

  • Last Cannibal
  • Blooz
  • For Friedl

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