Future Islands - In Evening Air - Cover
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Future Islands In Evening Air


  • Label: Thrill Jockey/Rough Trade
  • Laufzeit: 36 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Future Islands spielen mit unseren Gefühlen, aber das auf unwiderstehlich intensive Weise.

Ganz klar: Samuel T. Herring macht die Future Islands zu etwas Besonderem. Ein solches stimmliches Charisma muss gehört werden; das ungewöhnliche hierbei ist nur, dass seine Stimme an sich prädestiniert für grölbaren, in jedem Falle maskulinen, harten und sehr schnellen Punk, Rock oder Metal scheint, die Future Islands aber wunderbar empfindsamen und elegischen Post-Wave machen.

Nicht dass Synthies, Schlagzeug und wohltemperierte Gitarren nicht hübsche Melodieeinfälle zustande brächten, nicht das hier Synthpop nicht von seiner schönsten Seite, andächtig und verträumt wirkt: nein, das Trio der Future Islands schafft all das, und dennoch: Herrings Stimme, sie macht einfach den Unterschied.

Wer auf so unwiderstehlich symphatische Weise „You coudln’t possibly know how much you mean to me“ grölen kann und trotzdem dabei noch singt, während eine Instrumentierung zart und entrückt nebenher Takte anlaufen lässt und quasi höfflich anbietet („Tin Man“), kann fast jeden Hörer mit Bedürfnis nach Gefühlsverarbeitung und -reflektierung in seinen Bann ziehen. Überhaupt ist vor allem der Start von „In Evening Air“ ein Sentiment der Gefühlsrückschau, Herrings enigmatische Lyrics, die sich fast ausschließlich um Themen gescheiterter, oder schlicht nicht mehr existierender Liebe drehen, schwimmen synchron zu entrückten Popsounds der rückschauenden Nachdenklichkeit. Die erste Hälfte mit „Walking Throug That Door“, „Long Flight“, dem überragend Schönen „Tin Man“ und „An Apology“ schafft diese seltsam ambiguine bedrückte Leichtigkeit, wie wenn man etwas sehr wichtiges, persönliches und nun zurückliegendes verarbeitet, verstanden und abgeschlossen hat. Die zweite Hälfte lotet andere Gefühlsregionen aus, bleibt aber im Kern dem Anfang zustimmend.

Die Future Islands spielen mit unseren Gefühlen, die Schweine, aber das auf unwiderstehlich intensive Weise; wenn Psychologen wollen, das ihre Patienten reflektieren, sollten sie medizinische Dosen von Future Island verabreichen. Schon das letzte Album der New-Waver aus Baltimore, Maryland war großes Synthpop-Tennis, aber mit „In Evening Air“ sind sie reif für noch höhere Meriten. Ein Platz im Jahresrückblick ist gesichert.

Anspieltipps:

  • Tin Man
  • Lone Flight
  • An Apology
  • Walking Through That Door
  • Swept Inside

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