Nachlader - Koma Baby Lebt - Cover
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Nachlader Koma Baby Lebt


  • Label: Boing Boing Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Was auf dieser Plattform über das Debütalbum „Bock auf Aphorismen“ von Daniel Baumann alias Nachlader geschrieben wurde, kann man eigentlich ohne weiteres auch auf die aktuelle Scheibe „Koma Baby Lebt!“ übertragen. Das zweite Album des (hier und da von Szene-Kollegen unterstützen) Berliner Musikers mit dem Allerweltsnamen, dem Allerweltsgesicht und der Allerweltsstimme ist wieder eingängiger Indie-Electro-Pop mit gewitzten deutschen Texten, der im Albumformat nur eine eher kurze Halbwertszeit besitzt.

Diesmal ist der Albumtitel angelehnt an ein Zitat aus dem 80er Jahre Roman „Bright Lights, Big City“, den die Süddeutsche Zeitung „eine geistreiche Farce auf das Großstadtleben“ nennt. Ähnlich lässt sich auch die Musik von Nachlader beschreiben, der jetzt mit „Boing Boing Records“ übrigens sogar sein eigenes Label gegründet hat, um die volle Kontrolle über seinen eigenwilligen Gitarren- und Synthesizer-Sound zu haben. Interessant bei „Koma Baby Lebt!“ ist, dass der Nachlader nicht einen Großteil seines Pulvers schon im Opener verschießt, wie so viele Alben, sondern sich innerhalb der ersten drei bis fünf Nummern fast stetig steigert.

Nach dem nervig monotonen „Nahause“, das auch von der Ironie nicht gerettet werden kann, wacht die Platte mit der auf die Hüften zielenden Single „Pommes und Disco“ so langsam auf und entfaltet sich dann mit „Komm Mit“, das vor allem mit dem gründlich ausgearbeiteten Text besticht, im Verhältnis zu den restlichen Songs. Textlich gefällt auch „Raus auf die Straße“ (cool: „Was lange gärt wird endlich Wut“), da darin bei näherer Betrachtung die verkommene Cyber-Generation frech auf die Schippe genommen wird. Der Hit des Album ist aber die Vorabsingle „Soll/Haben“. Hier verschmelzen Tanzmusik und eine Wortspiel-Parade („Warum muss ich immer Soll haben, obwohl ich Haben haben soll? Ich könnt’s so gut haben mit Guthaben, stattdessen mach ich Rock ‘n‘ Roll“) zu einem echten Partyhit mit Köpfchen, der sich auch hervorragend als neckischer Kommentar zur Finanzkrise eignet.

Die zweite Albumhälfte hat dann keine wirklichen Highlights mehr zu bieten. Wie eh und je gibt es kaum spektakulären aber immer tanzbaren Electro-Sound mit ganz ganz viel Retro-Elementen der letzten drei Jahrzehnte auf die Ohren, musikalisch etwa auf dem Niveau einer Deichkind-Vorband. Vom gesungenen Inhalt mal sehr direkt („Hasch“), mal hintergründig („Trampolin“), mal irgendwo zwischen völligem Nonsens und scharfsinnigen Metaphern („Milch Und Eier“). Positiv sticht schließlich aber noch „Allein“ hervor, weil dort zur Abwechslung mal die Rock-Gitarre etwas aufgedreht wurde. Einen kleinen Extrapunkt gibt‘s außerdem für den namenlosen, überraschenden Bonustrack in bester Faschingsmanier. In Maßen genossen hat man mit „Koma Baby Lebt!“ eine nette Zeit, mit der einen oder anderen Perle. Der Rest bleibt Szenekennern überlassen, die ihren antiken Spielkonsolen frönen.

Anspieltipps:

  • Komm Mit
  • Raus Auf Die Straße
  • Soll/Haben
  • Allein

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