Broken Social Scene - Forgiveness Rock Record - Cover
Große Ansicht

Broken Social Scene Forgiveness Rock Record


  • Label: Arts & Crafts
  • Laufzeit: 63 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Kevin Drew und Brendan Canning haben ihre Gruppe wieder unter Kontrolle. Nachdem das Künstlerkollektiv bei den Arbeiten zu dem letzten, nach der Band benannten, Album „Broken Social Scene“ (2005), zeitweise einen Mitgliederzirkel von über 30 Personen zählte, sich die Hauptakteure zuletzt die Zähne an dem Werk ausbissen und schließlich das fertige Werk angeblich niemals wirklich angehört haben, wollte man sich nun wieder mehr aufs Wesentliche konzentrieren. Mit Charles Spearin (Tasteninstrumente, Computer), Andrew Whiteman (Gitarre), Sam Goldberg (Gitarre), and Justin Peroffimmer (Schlagzeug) sind noch vier weitere Musiker am Start, die auch wieder von vielen Gästen unterstützt werden, doch diesmal scheint man mit dem dem Album „Forgiveness Rock Record“ auch zufrieden zu sein.

Chaotisch und verwirrend ist es dennoch geworden. So etwas wie einen roten Faden ausfindig zu machen gestaltet sich als außerordentlich schwierig und zeitweise wirkt das Ganze einfach wie eine große Ansammlung von Ideen: Das Album taumelt von epischen laut-leise-Exzessen („World Sick“) zu pluckernden Drumcomputer-Sounds („All To All“), flippt in einem instrumentalem Streicherwahn vollkommen aus („Meet Me In The Basement“) oder lässt hemmunglos ausufernde Bläsersätze durch den Raum hallen („Art House Director“). Das hinterlässt beim Hörer zunächst einen ratlosen Eindruck und benötigt bei 63 Minuten Spiellänge auch Zeit, um sich zu entfalten. Doch hinter diesem musikalischen Verwirrspiel steht mehr System, als man im ersten Moment denkt.

Denn hier scheint es tatsächlich Ziel gewesen zu sein, dem Chaos seinen Freiraum zu geben, und die von ihm hinterlassenen Einzelteile wieder instabil und kreuz und quer zusammenzuschweißen, sodass am Ende ein Werk steht, welches scheinbar nichts unprobiert lässt und besser im großen Ganzen funktioniert als über seine zahlreichen Einzelteile. Leider entsteht in diesem ganzen Gewusel dann auch mal Leerlauf: Das von Akustikgitarren bestimmte, leicht psychedelisch zerfasernde „Highway Slipper Jam“ oder der nichtssagende Abschluss „Me And My Hand“ hätten nun wirklich nicht sein müssen. Auf der anderen Seite zeigen sich Broken Social Scene dann wieder vollkommen oben auf, etwa wenn die ehemaligen Mitglieder Emily Haines, Feist und Amy Millan zusammen den sich zum Himmel auftürmenden Song „Sentimental X's“ trällern. So ist „Forgiveness Rock Record” ein Album für schwankende Gemüter, welches seine Qualität genauso wie seine kleinen Fehltritte aus seiner stilistischen Vielfalt zieht. Für ein gutes Album reicht es aber leider nicht ganz.

Anspieltipps:

  • Forced To Love
  • Art House Director
  • Meet Me In The Basement
  • Sentimental X's

Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Broken Social Scene“
comments powered by Disqus