Bison B.C. - Dark Ages - Cover
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Bison B.C. Dark Ages


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Wege hinter einem zweiten Album sind meist unergründlich. Einmal will die Band etwas komplett anderes probieren und setzt damit möglicherweise die gesamte Fangemeinde aufs Spiel, dann schaut wieder enttäuschendes Flickwerk heraus, es werden kommerziellere Pfade begangen oder der sukzessive Longplayer schert sich rein gar nichts um eine etwaige Erwartungshaltung und prügelt einfach nur das letzte Fünkchen Verstand aus dem Hörer heraus. Letzteres machen Bison B.C. aus Vancouver mit ihrem Nachfolger zu „Quiet earth“ (10/2008). Um dies zu bewerkstelligen haben James Farwell (Gesang, Gitarre), Dan And (Gesang, Gitarre), Masa Anzai (Bass) und Brad Mackinnon (Schlagzeug) ihre ohnehin sehr dicken Eier in einen radioaktiv versuchten Container gehalten und machen sich nun daran den Mastodons und Königinnen der Steinzeit zu zeigen, wo der brettharte Stoner Rock- und Sludge Metal-Hammer hängt.

Stimmungsvoll legen Bison B.C. mit „Stressed elephant“ einen gemächlichen und mit melancholischen Bläsern versetzten Auftakt hin, der sich nach zwei Minuten von der heruntergestimmten Tempoleine losbeißt und das kratzbürstige Organ Farwells in ein Riffbad abtauchen lässt, was in weiterer Folge mit wütenden Ausbrüchen gekontert wird, die an der Grenze zum Heavy Metal ihr Unwesen treiben. „Fear cave“ überspringt im Anschluss jegliches Vorgeplänkel, schnalzt auf der Groovesau durchs Unterholz, wird von einem düster stapfenden Beschwörungsritual gestört, nimmt die Jagd wieder auf und kratzt gegen Ende nach allen Regeln der Klangverstümmelung ab, während „Melody, this is for you“ das Szepter übernimmt und einen minutenlangen, instrumentalen Dialog zwischen Schlagzeug und Gitarren führt, bevor erste, minimalistische Gesangsparts auftauchen, die dem Song lediglich als zusätzliche Spur dienen, denn vorrangig knallen die Kanadier mit diesem Monster eine atmosphärische Achterbahnfahrt für die Rifffraktion hin, die grandios von Drummer Mackinnon umworben wird.

Der Terminus „ausschweifend“ bleibt bei „Two-day booze“ und „Take the next exit“ dann eher in deren Kompromisslosigkeit verborgen, denn hier suhlen sich Bison B.C. mehr in einem Orkan aus roher Energie, der erst beim Übertreten der Ziellinie Halt macht, anstatt epische Kompositionen aus dem Boden zu stampfen. Diese Prämisse scheint dafür „Die of devotion“ einlösen zu wollen, bedient während seiner Spieldauer aber nur die bereits ausgiebig eingesetzten Eckpfeiler der Laut und Leise-Mechanik und bleibt daher als einziger Song auf „Dark ages“ etwas blass. Ebenfalls hinter seinen Möglichkeiten bleibt der dritte Teil der Wendigo-Kompositionen, welcher durch Doom-Anleihen zwar mit ordentlich Schmackes aus den Boxen fährt, aber wegen Dauerbeschallung auf Lautstärkepegel 11 ohne subtile Zwischentöne zu monoton gerät. Trotz dieser zwei schwächeren Nummern bleibt das kanadische Vierergespann ein glänzendes und eigenständiges Leuchtfeuer in Zeiten der glatt gebügelten Rock- und Metalacts und während es dort hauptsächlich um Liebe, Freundschaft und Krieg geht, handeln die sieben Tracks auf „Dark ages“ von „Krankheit, Missbrauch, der Apokalypse und einem Waldhorn“. Mehr braucht man nicht zum Glücklichsein.

Anspieltipps:

  • Two-Day Booze
  • Take The Next Exit
  • Melody, This Is For You

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