Tribe - Rebirth - Cover
Große Ansicht

Tribe Rebirth


  • Label: Planet E/Alive
  • Laufzeit: 72 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Möchte man der einschlägigen Presse glauben, dann ist Tribe der absolute Inbegriff für die neue Musikszene in Detroit. Seit 1971 sollen Formation, Label und Magazin dieses Namens für Aufruhe gesorgt und den Werdegang vieler lokaler Musiker geprägt haben. Eine Erinnerung an diese glorreiche Anfangszeit soll das Album „Rebirth“ darstellen. Pralle 72 Minuten voller Instrumental-Jazz der ausgedehnten Sorte (die Tracks haben schließlich eine Durchschnittslänge von über sieben Minuten!) sollen für Atmosphäre und Klasse im Eigenheim sorgen.

Tatsächlich klingt jedes einzelne Stück, bis auf manche elektronischen Intros, nach Jazz der alten Sorte, was besonders am hervorstechenden Kontrabass liegt, der nicht selten eine gehörige Schippe Soul drauflegt. Hier wird sich ausgiebig Zeit genommen, sodass jedes Instrument zum Zuge kommen darf. Die endgültige Freiheit, die sich Jazzmusiker hierbei jedoch gerne nehmen, wird durch den Soulpart eingegrenzt. Wirklich aufhalten tut dies die meisten Instrumente natürlich nicht, doch bei genauerem Hinhören spürt man das Korsett, welches zum Beispiel im Opener „Livin’ In A New Day“ recht deutlich wird.

Allein für die lebendigen Rhythmen und gekonnten Spielpassagen muss man den alten Herren jedoch dankbar sein, dass sie damals den Tribe gründeten. Diese Hymne für sich selbst haben sich die Männer wirklich verdient und da stört es nicht, wenn der klassische Jazz auf Platte nun mal nicht immer so spektakulär und eindrucksvoll wie Livemusik im Club sein kann. Mit diesem Problem schlägt sich der Jazz sowieso seit seiner Erfindung herum. Während viele moderne Rockbands und natürlich auch Hip-Hopper, sowie Popsternchen aller Art mit Breitbandproduktionen spielen und ihre Qualität enorm zu steigern vermögen, war Jazz schon immer sehr organisch und lebt von der Magie des Augenblicks und der Improvisation

Es ist schwer, solche Platten allgemeingültig und nicht nur temporär zu beschrieben. Denn für eine einen Silberling wie „Rebirth“ muss man Zeit, Muße und Jazz-Durst haben. Die Lust, diesen Reigen von unaufgeregtem und doch leidenschaftlichem Lebensgefühl zu genießen muss vorhanden sein, denn sonst verwechselt man die schönen Arrangements mit bloßer Hintergrundmusik, was Jazz nie sein sollte. Jazz soll berühren und einen treiben lassen, was schwer zu fassen ist, wenn die Musik aus Kopfhörern kommt oder aus einer kleinen Anlage. Und selbst High-End-Produkte der großen Edel-Hersteller vermögen macnhmal einfach nicht an das Live-Gefühl heranzureichen. So steckt immer ein Funken Wehmut im Zuhöre dieser geistreichen und gekonnten Leistungen.

Anspieltipps:

  • Vibes From The Tribe
  • 13th And Senate
  • Denekas Chant

Neue Kritiken im Genre „Jazz“
Diskutiere über „Tribe“
comments powered by Disqus