Ratt - Infestation - Cover
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Ratt Infestation


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Als eine der großen Durchstarter der ersten Hälfte der 80er Jahre gehandelt, begann für die Glam Rocker von Ratt schnell der Abstieg in die zweite Liga. Das Debüt „Out of the cellar“ (03/1984) und der Nachfolger „Invasion of your privacy” (07/1985) streichten jeweils mehrfache Platin-Auszeichnungen ein, doch bereits „Dancing undercover“ (08/1986) und „Reach for the sky“ (11/1988) stießen aufgrund fehlender Weiterentwicklung auf weniger Gegenliebe, was mit sinkenden Verkaufszahlen goutiert wurde. Nach einer zwischenzeitlichen Auflösung, einer erneuten Reunion und einem weiteren Studioalbum („Detonator“ vom August 1990) wurde 1999 dann endgültig das Ende der Fahnenstange besiegelt als der selbstbetitelte sechste Longplayer im Vergleich zum angestrebten Umsatz gnadenlos floppte.

Elf Jahre später trudelt nun „Infestation“ ein, das sämtliche Rechtstreits und Unstimmigkeiten über den weiteren Verlauf der Band während der langjährigen Pause beiseite gelegt zu haben scheint und einfach nur eins will: Rocken! „Unsere Musik und unsere Einstellung haben sich nicht das kleinste Bisschen geändert. Sie bedeutet uns alles auf dieser Welt. Wir stehen hier, 25 Jahre später, und halten immer noch die Fahnen des Ratt´n´Roll hoch!“ verkündet Sänger Stephen Pearcy und lässt mit seiner markanten Stimme im Opener „Eat me up alive“ die alten Zeiten in bester Manier aufleben. Und fürwahr: Es hat sich nicht viel verändert. Der von der Band angestrebte Mittelweg aus „Out of the cellar“ und „Invasion of your privacy“ (sei es nun künstlerisch oder umsatztechnisch) knallt mit voller Wucht aus den Boxen, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Das anschließende „Best of me“ liefert den nächsten Beweis für ein gelungenes Comeback der Glam Rocker, „A little too much“ schafft dies ebenso und so weiter und so fort. „Infestation“ ist ein Manifest für das Genre, zeigt aber auch gleichzeitig auf, wieso sich heutzutage mit dieser Stilrichtung ohne einen Blick über den Tellerrand gemacht zu haben, nicht unbedingt viele Platten verkaufen lassen könnten. Die Gitarre rockt vor Energie berstend, der Sänger gibt den coolen Mikrophonschwinger und Frauenversteher und die Rhythmussektion liefert neben den ohrwurmlastigen Refrains den einprägsamen Part aus Melodie und Zielstrebigkeit. Alles Eckpfeiler, die für zwei, drei gute oder ausgezeichnete Songs ausreichen, auf Albumlänge aber schnell ermüdend wirken. Bei Ratt ist es leider ähnlich.

Stephen Pearcy und seine Mannen Warren DeMartini (Gitarre), Carlos Cavazo (Gitarre), Robbie Crane (Bass) und Bobby Blotzer (Schlagzeug) Song für Song auseinander zu nehmen, würde daher wenig Sinn machen, da bei einer Glam Rock-Truppe wie Ratt Déjá-vu-Erlebnisse praktisch vorprogrammiert sind und es hauptsächlich um den Spaß an der Musik geht, aber trotz zeitgemäßer Produktion und knackigen Riffs will sich kein allgemeiner Gute Laune-Faktor einstellen. Okay, viele Nummern machen Spaß und es darf mit dem Bein gewippt werden, aber mehr schaut bei dem bei den Songs angewandten Baukastenprinzip leider nicht heraus, sodass selbst der einzig ruhigere Song „Take me home“ mehr obligatorischen Nutzen besitzt als wirklich zu beeindrucken. Alles in allem ein knalliges Comeback, wo letztendlich doch nur wieder die alte Leier in eine moderne Produktion gehüllt wurde.

Anspieltipps:

  • Last Call
  • Eat Me Up Alive
  • A Little Too Much
  • As Good As It Gets
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