Kivimetsän Druidi - Betrayal, Justice, Revenge - Cover
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Kivimetsän Druidi Betrayal, Justice, Revenge


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine atemberaubende Reise in mittelalterliche Gefilde hätte es werden können. Ein wichtiger Schritt weg von ausgetrampelten Pfaden hin zu mehr Eigenständigkeit und Originalität. Kivimetsän Druidi liefern mit ihrem Zweitwerk „Betrayal justice revenge“ nichts von alledem, sondern machen die gleichen Fehler, die sie schon auf „Shadowheart“ (10/2008) begangen haben. Dort waren bereits die unterschiedlichsten Stilrichtungen in einen Topf geworfen und durchgemischt worden, bis einem aufgrund der minutiösen Stimmungswechsel ein Knoten in die Gehörgänge gedreht wurde. Dabei hinterlässt die ruhige Eröffnungsmelodie, die „Lament for the fallen“ bereit hält, einen positiven Eindruck und Leeni-Maria Hovila (Gesang), Joni Koskinen (Gitarre, Growls), Antti Rinkinen (Gitarre), Simo Lehtonen (Bass), Antti Koskinen (Keyboard) und Atte Marttinen (Schlagzeug) setzen auch im sukzessiven „Aesis lilim“ statt mehrerer Genrequerverweise überraschenderweise nur auf eine Gangart.

Die nennt sich mit Ausnahme einer kurzen, todessehnsüchtigen Passage vor Ende des Songs Symphonic Metal und wird mit drängenden Gitarren, keifenden Growls, der hellen Stimme Leeni-Marias, Keyboard-Unterstützung und Streichern aus dem Computer dargeboten, was zwar keinen Innovationspreis gewinnt, aber geordneter zugeht als vieles, was bisher von den Druiden des Steinkreises durch die Boxen geschleift wurde. Es dauert jedoch nicht lange und mit „Seawitch and the sorcerer“ fallen die Finnen wieder in alte Gewohnheiten zurück. Knalliger Death Metal paart sich mit symphonischen Elementen, fetzige Powerriffs umschlängeln ein zartes Frauenstimmchen und wer will erkennt sogar einen dezenten Humppa-Rhythmus. Das ist einfach zuviel des Guten und Kivimetsän Druidi beherrschen einfach noch nicht das feine Händchen um abgesehen von eigenen oder geliehenen, kurz aufblitzenden Ideen aus all diesen Strömungen eine packende Komposition zu schaffen.

Zur Versöhnung gibt es die nette, aber austauschbare Nummer „The visitor“ auf die Ohren, die auch genauso gut von einer Within Temptation-Scheibe stammen könnte, während „Manalan vartija“ einen Ausflug in die verspielte Welt von Finntroll wagt und „Tuoppein´nostelulaulu“ beim Klan der Wildnis (Korpiklaani) samt Fidel, heiserer Stimme, Geklatsche und Bierzeltstimmung vorbeischaut, was die Platte durchaus auflockert und wie das direkt daran anschließende, namenlose Instrumental in bester Herr der Ringe-Manier sympathisch macht. Ungestüm geht es in „Chant of the winged one“ weiter, wo ein plötzlicher Tempoanstieg die größte Überraschung in dieser episch gemeinten Auseinandersetzung zwischen betörendem Frauengesang und kratzigen Growls bleibt, was „Of betrayal“ mit Black Metal-Schlagseite zu kontern weiß, was dem Track eine intensive Note verleiht und ihn zu einem der gewagteren Songs auf „Betrayal justice revenge“ macht.

Spät aber doch besinnen sich Kivimetsän Druidi mit dem Abschluss „Desolation: White wolf“ endlich auf die Stimmung des Covers und präsentieren einen stimmigen, nach epischem Abenteuer und Fantasy schreienden Longtrack, der die Eckpfeiler ihres Sounds um eine sinnvolle Folk-Einbindung aus Blasinstrumenten und massivem Keyboardeinsatz ergänzt, der die wirbelnde Doublebass und Todesblei-Gebärden als natürliche Zutaten akzeptiert statt sie wie in den übrigen Songs als eine Art Fremdkörper einzubauen. Nichtsdestotrotz haben die Finnen noch einen langen Weg vor sich, wenn sie mal auf einer Stufe mit ihren Vorbildern Turisas oder Ensiferum stehen wollen. Das Songwriting hat zwar ohne Frage einen Schritt nach vorne gemacht und mit der einen oder anderen Nummer scheinen erste gewagtere Ansätze durch, aber die mitunter wilde Stilmischung versteht sich weiterhin mehr als halbgares, den Kontext zerreißendes Stilmittel, denn als Versuch Death, Symphonic, Folk, Black und Heavy Metal in Perfektion zu einem großen Ganzen zu einen.

Anspieltipps:

  • Of Betrayal
  • Tuoppein´nostelulaulu
  • Desolation: White Wolf

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