Marina & The Diamonds - The Family Jewels - Cover
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Marina & The Diamonds The Family Jewels


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Trend geht zu frech und aufreizend. Lieber ein wenig zu viel aufs Dekolletee aufmerksam machen, als bieder zu wirken.

„I’m Marina and you are the diamonds“, so gewinnt die tiefe Stimme der griechischstämmigen Waliserin die Herzen der Fans. Erklingt ihre Single „Hollywood“ überhört man gerne die übertriebene Zuckergussglasur dieses Ausspruchs. Die erste Single lässt aber auch keine Spekulationen um Zucker jeglicher Art zu. Zwar ist der britische Schlag klar herauszuhören, aber der Stil ist einer Lady Gaga nicht unähnlich. Hier wird gesanglich jedoch mehr geboten und dezenter mit den Themen und den Ohrwurm-Hooklines umgegangen. An Selbstbewusstsein mangelt es der jungen Waliserin allerdings nicht, wie sie sich in „Hollywood“ thematisch über die Stars austobt und sich selbst ins Rampenlicht stellt. Aussehen, Gesang und Ausstrahlung für die nächste Große hat sie, aber ob das Songpotenzial auch über das Mittelmaß hinwegkommt?

„Hollywood“ tut sich schwer im Ohr zu bleiben und lebt von der tiefen und akzentuierten Stimme der Sängerin. Die Arrangements sind gutes Mittelmaß, mehr nicht. Zu gleich klingt der Track mit dem Opener „Are You Satisfied?“, welches beinahe leichter ins Ohr geht und stimmlich fordernder für die junge Frau mit der vollen Stimme ist. Anstatt die Elektronik, die allseits präsent auf dieser Platte ist, durchgehend ins neue Jahrzehnt zu heben, wie es Lady Gaga tat, sind Parallelen zu den vergangenen Dekaden zu beobachten und natürlich auch zu hören, wie in „Shampain“ oder „The Outsider“, die in ihrer Machart in krassem Kontrast zu „Hollywood“, „Girls“ und „Oh No!“. Hier wird in bester Pop-Manier das Haus auf den Kopf gestellt. Marina bringt mit ihren Familienjuwelen letztendlich nichts Neues, sondern reiht sich in das breite Sortiment ein, welches die jungen Damen des neuen Jahrzehnts präsentieren.

Der Trend geht zu frech und aufreizend. Lieber ein wenig zu viel aufs Dekolletee aufmerksam machen, als bieder zu wirken. So machen es Rihanna und Lady Gaga, sogar Leona Lewis, das brave Mädchen mit der wunderbaren Stimme, hat angekündigt mehr in diese Richtung gehen zu wollen. Am Ende ist die einzig wahre Devise: Sex sells. Marina gibt sich zwar noch in einer Klasse mit Lewis, aber von der Art ihrer Musik her, geht es nicht darum, neues zu bieten und wer auf dem Markt überleben will, der muss wohl oder übel Haut zeigen, damit man am Ende nicht auf dem Wühltisch landet. Niemand will am Ende des Sommerschlussverkaufs der einsame Überlebende des Kaufwahns sein. Die Schienen sind gelegt und die etwas unausgegorene Mischung aus anspruchsvoller Popmusik und Clubtracks muss sich erst noch finden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Tracks wie „I Am Not A Robot“ und „Numb“ seltener werden und dieses Terrain weiter feinfühligen Damen wie Sia überlassen wird, die die Flagge der weiblichen Barden aufrecht halten.

Anspieltipps:

  • Oh No!
  • Are You Satisfied?
  • Numb

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