The Dead Weather - Sea Of Cowards - Cover
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The Dead Weather Sea Of Cowards


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 35 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Prägnanter, geölter, zugespitzter. Man kann es kurz machen mit dem neuen Album von Jack Whites Supergroup: Nicht einmal ein Jahr nach ihrem fulminanten Debüt ist „Sea Of Cowards“ ein noch besseres, pointierteres und gewohnt raues Heavy Bluesrock-Monster geworden.

„Check your lips at the door woman/Shake your hips like battleships“, oder „If I left you woman, ya know/You’ll never see me again”. Nicht etwa Snoop Dog nuschelt hier großkotzig herum, es ist Jack White, der hier maskulin und breitbeinig sein Projekt The Dead Weather eindeutig zur Aggressionsventilierung nutzt. Und wie der Opener „Blue Blood Blues“, mit diesen, sagen wir, sehr selbstbewussten Ansagen an eine, in ein nicht näher eruiertes Ziel gefasste, holde Weiblichkeit, beweist, vom ersten Hi-Hat-Anschlag an. White am Schlagzeug und Raconteurs-Kollege Jack Lawrence am Bass rhythmisieren hart, pulsierend und unerbittlich zu Dean Fertitas (Queens Of The Stone Age) grobschlächtigen, tief gestimmten Bluesrock-Riffs, die irgendwo zwischen Led Zeppelin, Black Sabbath und Howlin’ Wolf sengend in Gehörgänge mäandern.

Diesmal duellieren sich The Kills-Gesangesvamp Allison Mosshart und White erfrischend häufiger mit ihren Gesangsparts, ansonsten bleibt der markanteste Unterschied zum Debüt aus dem letzten Jahr der, dass der Jam-Charakter verschwunden scheint und kurzlebige Hard Rock-Attacken in mystischem Blues-Gewand keine Gnade und auch keine Experimente erlauben. Breitpinseliger Hammond-Orgel-Gebrauch frischt zudem regelmäßiger als auf „Horehound“ den Höllenblues dieser Wahnsinns-Truppe auf (beispielsweise auf „The Difference Between Us“ und „Gasoline“). „Sea Of Cowards“, vielleicht letztlich nur deshalb stärker erscheinend, ist ein in sich hochgradig ausgefeiltes, ästhetisch geschlossenes Rock-Album – rigoros, energisch und dynamisch. Mit direkten Einstieg und einem wunderbaren, ausschließlich von White geschriebenen, an schwarze Messen erinnernden, rauschhaft manischen Abschluss („Old Mary“). 35 Minuten, mehr brauchen Fertita, Lawrence, Mosshart und White nicht, um Herzen, Zähne und Knochen zu brechen, in einer Manier, die Ihresgleichen sucht.

Ein schlicht bewundernswertes Phänomen dieser Tage, wenn sich gestandene Musiker finden und zusammentun, deren Lebenswege sich früher nur auf Festivals und Preisverleihungen kreuzten, um befreit und kalküllos draufloszurocken und sich berechtigterweise einen Dreck scheren, um eventuelle Meinungsmache, weil der eigentliche Zweck hier schlicht der zu sein scheint, die einmalige Möglichkeit ausnutzen zu wollen, mit an sich sehr beschäftigten und hochgeschätzten Musikerkollegen gemeinsam in die Tasten, Saiten und Felle zu hauen. Dan Fertita verdient zurzeit sicherlich genug Geld als QOTSA-Tour-Gitarrist, was ihn nicht abhielt, vor ein paar Monaten Solo zu debütieren. Miss Mosshart wird dieses Jahr eine neue, mit Spannung erwartete Kills-Platte auf den Markt bringen, sofern die Ansagen von Kollege Jamie Hince stimmen. Auch die andere derzeitige Supergroup des authentischen Alternative Rocks – Them Crooked Vultures – wollen dieses Jahr den Nachfolger des letztwinterlichen Rockhammers folgen lassen, man hat ja nicht ewig gemeinsam Zeit.

Hier also, endlich einmal wieder, werden wir nicht verarscht, will uns niemand unser Geld aus der Tasche ziehen, oder verfolgt egomane Selbstverwirklichungspläne. Hier geht es einzig um den Spirit of Rock’n’Roll, um eine gemeinsame gute Zeit, und wir erhalten dankenswerterweise die Gelegenheit zuhören zu können. Entbehrlich vorzubringen welcher Song die anderen überragt, die Single-Auskopplungen „The Difference Between Us“, „Die By The Drop”, „Gasoline“ betten sich in den Rest des Albums homogen ein, wie ein kräftiger Schluck Tennesse-Whisky. Mit dem zweiten The Dead Weather-Album manifestieren White, Mosshart, Fertita und Lawrence ihre ovationswürdige Rock-Authentizität. Prädikat besonders wertvoll.

Anspieltipps:

  • Old Mary
  • The Difference Between Us
  • Die By The Drop
  • Gasoline
  • Blue Blood Blues
  • Birds

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