Foals - Total Life Forever - Cover
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Foals Total Life Forever


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Total Life Forever“ ist ein sehr schönes Indie-Rock-Album, auch wenn es marginal dem Debüt hinterherläuft.

Ein über alle Maße erhabenes Debüt ist eine schwere Bürde. Und The Strokes, Peaches, Daft Punk oder Portishead sind dabei nur die damit Konfrontierten unserer heutigen Zeitspanne, das Problem ist im Kern freilich so alt, wie das Phänomen Pop/Rock selbst. Nun also müssen die Foals sich stellen und eine musikalische Perspektive erarbeiten, indem ein imposanter Einschlag nicht fade Wiederholung findet, und doch in vergleichbaren Terrain verweilt, um (A) die Gefolgschaft nicht aufs Spiel zu setzen und (B) nicht zu sehr vom überschlagenden Erfolg vereinnahmt und vorbestimmt zu werden.

Dem hartnäckigen Missverständnis auch nur annähernd etwas mit Afro-Beat zu tun zu haben werden die vielleicht beachtetsten Indie-Rock-Debütanten von 2008 mit „Total Life Forever“ wohl endlich entkommen, jene vier Oxforder Studienabbrecher, die dem in einer hübschen britischen Hype-Blase geplatzten Indie-Rock eine bewundernswerte künstlerische Großartigkeit zurückzugeben wussten, nachdem Mando Diao, Kaiser Chiefs, Editors und Konsorten allesamt dem Debüt Enttäuschungen folgen ließen und ihr Genre in eine veritable Existenzkrise rockten. Entkommen denn, ja, die Foals gebärden sich nun durchaus anders auf ihrem Zweitwerk. Die komplizierte Präzision und Verwebung uneingängiger Gitarrenläufe, das Math-Rock-ähnliche Gefrickel der Foals’schen Gitarrenarbeit, dass man auf dem metaphorisch genial kühn und vorausschauend richtig betitelten Album „Antidotes“ im Gegensatz zum langweiligen Radio-Indie-Rock zu bestaunen und zu lieben gelernt hat, wird weitgehend zurückgeschraubt.

Der so hochgradig prägnante und eigenständige Sound der Foals wird also im Indie-Rock’schen Sinne vergleichbarer, soweit so Schade, doch entsteht damit auch eine neue spürbare Gelassenheit, die einen in sich ruhenden Wohlklang erzeugt. Die Foals eruptieren kaum noch gegen Ende ihrer Songs, Stakkati und Arpeggios adé, entkomplizieren sie ihren Sound auf „Total Life Forever“ sukzessive in Richtung Eingängigkeit. Kurzum aber finden sie auch hier wieder wunderschöne Melodieläufe und –bögen, die beide Gitarren und den Bass wie im völkischen Kreistanz sich treffen und trennen, sich kreuzen, überschneiden und parallel laufen lassen. „Blue Blood“, „Miami“ und „Total Life Forever“ sind solche Beispiele, in denen augenscheinlich die Komplexität von „Antidotes“ bei der Songstrukturierung beibehalten wurde, ein emphatischer Aufbau und eine Dramaturgie hin zu finaler Entladung aber gänzlich fehlt.

Es strahlt eine wärmende, angenehme Ruhe aus, die trotzdem zu Rhythmik und Tanz auffordert (besonders „Black Gold“, „Spanish Sahara“ und „Alabaster“), dieses zweite Album der Genre-Hoffnungsträger Foals. Das sie regelrechte Meister komplexer, gefrickelter Indie-Rock-Intonierung bleiben, zeigt dabei ein einziger Song: „After Glow“. Muskelspielerei ist nun wahrlich nicht ihr Ding. Das schwierige Erwartungshaltungen-ausbalancieren des Nachfolgewerks meistert das Oxforder-Quartett bravourös. Auch wenn es marginal dem Debüt hinterherläuft, „Total Life Forever“ ist ein sehr schönes Indie-Rock-Album, wieder durchaus intellektuell, nun, man kann es nicht allen recht machen, aber vor allem eines verdeutlichend: so schnell ist die Luft bei diesen Jungs nicht raus, im Gegenteil, nach dieser erfolgreich gemeisterten Hürde stehen ihnen jetzt wirklich alle Möglichkeiten offen.

Anspieltipps:

  • After Glow
  • Miami
  • 2 Trees
  • Spanish Sahara
  • Blue Blood

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