Band Of Horses - Infinite Arms - Cover
Große Ansicht

Band Of Horses Infinite Arms


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 45 Minuten
Artikel teilen:
4/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Was Band Of Horses auf ihrem dritten Album zusammenleiern, weckt Lust auf Atomkriege.

Verantwortungslos harmlos. Liebe zur Empfindsamkeit hin oder her, aber was Band Of Horses auf ihrem dritten Album zusammenleiern, weckt Lust auf Atomkriege. Die Harmoniesucht, die Verständnisaufforderung, die Behutsamkeit die „Infinite Arms“ – ein Titel der nichts anderes als ein dickes, fettes verdient – seinen Hörern abverlangt, ist eine Heile-Welt-Provokation.

Nun, nicht dass das gänzlich überraschend kommt, die zur Band gewordenen Horses (aufgrund einer Namenskongruenz zu irgendeiner Seventies-Kombo) waren ja schon immer Leisetreter im Indie-Rock. Die Subtilität ihres Sounds kennt nur diesmal schlicht keine Empfindsamkeitsgrenzen. Gesäuselte „Uhhhs“ und „Ahhs“ in exzessiven Gebrauch – schon längst kein Thema mehr bei Ben Bridells regelmäßig fluktuierender Hufschar – sind hier nicht das Problem: jeder will mal abgeholt, in den Arm genommen, vollkommen verstanden werden, und so. Das Recht auf Weicheierei soll Bridell und seinen Country-Indie-Rock-Akkorden mit Nichten genommen werden.

Es ist der Gesamteindruck der „Infinite Arms“ so verantwortungslos harmlos dahindümpeln lässt. Wie da auf „Blue Beard“ von erstmaligen Begegnungen auf irgendwelchen Bahnhöfen gehaucht wird, Jahrhunderte her, und mit einer Feuchtaugigkeit emporgebracht, als wüssten wir alle, wie sich das damals für die Protagonisten angefühlt hat, als teilten wir den gleichen Erfahrungs- und Empfindsamkeitshorizont. Genau hier liegt der Tumor pulsierend und offen frei: Band Of Horses’ drittes Album will selbst abgeholt, in den Arm genommen und zart gestreichelt werden; dabei müsste die Musik, in seiner Eigenschaft als Kunstform, das Verständnis beim Hörer erreichen, besser: erzeugen, dass jene angesprochene Szene den Gefühlspegel der Protagonisten ganz schön ausschlagen ließ. Aber nein, hier muss der Hörer streicheln, wenn Bridell seine „I feel awful“-Elegien zum Besten haucht („Factory“). Was für ein Rauschzustand, wenn bei „Northwest Apartment“ tatsächlich die Gitarrenpedale durchgedrückt werden, sei es auch noch so kurz.

Ben Bridell und seine wechselnden Mannen sind ja gestandene Musiker, keine Dilettanten, noch dazu welche, die die Leier der leisen Töne im Grunde beherrschen, nur hier und diesmal ist es einfach zuviel des Guten. Die Assoziation ist leider da, sie ist nicht mal böswillig gemeint, sie wird durch „Infinite Arms“ schlicht erzwungen: Diese Achtziger-Jahre-Zeichentrick-Glücksbärchis, sie würden Band Of Horses’ drittes Album in den Player schieben.

Anspieltipps:

  • Factory
  • Way Back Home

Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
6.5/10

Niente
  • 2017    
Diskutiere über „Band Of Horses“
comments powered by Disqus