Crash Test Dummies - Oooh La La! - Cover
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Crash Test Dummies Oooh La La!


  • Label: EarMusic/EDEL
  • Laufzeit: 37 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Unausweichlich muss man eine Rezension über die Crash Test Dummies mit dem Song „Mmm Mmm Mmm Mmm“ beginnen. Spätestens wenn man an Käsewerbung im Fernsehen denkt oder die gute alte Zeit am Radio, fühlt man sich schnell erinnert. Wenn das neue Album der Band nach gut sechs Jahren Pause dann auch noch so einen viel sagenden Titel wie „Oooh La La!“ trägt, geht man im Vornherein auch nicht mehr davon aus, dass das Rad hier neu erfunden wurde. Stattdessen vielleicht ein neues Gesumme mit Ohrwurmqualität. Aber ob der Band so ein simpler Geniestreich schon wieder gelingen soll?

Dann wäre da noch eine Klangmaschine namens Optigan zu erwähnen. Eine veraltete Version des Keyboards, die gerade durch ihre unvollkommene Seite Töne erschafft, die einen in vergangenen Jahrzehnten schwelgen lässt und auf ihre Art einzigartig ist. Von diesem Instrument waren Frontmann Brad Roberts und sein Gefolge dermaßen angetan, dass so ziemlich jeder Track der neuen Platte von diesem Optigan mitgestaltet wurde. Ein wenig erinnert es an die Aufnahmerituale der Band Wilco, die für „Yankee Hotel Foxtrot“ zu unüblichen instrumentalen Mitteln griffen.

Nach mehr als einem halben Jahrzehnt Pause sind keine vierzig Minuten schlichtweg kurz. Auch wenn man meint, die Erwartungshaltung dürfte nicht allzu hoch sein, macht das die Enttäuschung über so wenig neues Material nicht wirklich wett. Die Eröffnung „Songbird“ tut schon ihr Bestes und klingt in bester CTD-Manier durch die Räume. Background Vocals, die Brads supertiefen Gesang kontrastieren, fragile Streicherparts und Akustikgitarre. So funktionieren die Crash Test Dummies noch immer. Und sie funktionieren immer noch gut, auch wenn Überraschungen oder Neuland ausbleiben. Fast schon peinlich altmodisch geht es in „You Said You’d Meet Me (In California)“ weiter, das mit einem anderen Sänger wohl nicht funktionieren würde. So herrlich karibisch-maritim und im Stile eines Chansons geht es hier zur (ruhigen) Sache, dass man sich das grinsen verkneifen muss, wobei es doch eine weitere Ballade aus dem hause CTD ist.

Nur selten wird dieser 30er-Jahre-Touch auch konsequent eingesetzt. Der Großteil des Albums besteht aus Balladen und Pop-Opern, die niemandem wehtun, aber auch niemanden vom Hocker reißen. Da sind die Reisen zurück in die Vergangenheit ungleich interessanter. „In-Between Place“ könnte man sich wunderbar mit einer Aimee Mann vorstellen und tatsächlich gibt es zumindest weibliche Gesangsstützen. Dann wäre da noch die Western-Nummer „What I’m Famous For“, die wieder so aus dem Rahmen fällt, das ein kleines Lächeln nicht zu verhindern ist. Die Stimme Roberts’ passt natürlich wie angegossen auf die so undeutlich sprechenden Country-Sänger und so verzeiht man dem Lied, dass es ein Fremdkörper auf dieser Platte ist. Zum Abschluss noch eine waschechte Big-Band-Nummer mit „Now You See Her“. Mit einem „Oooh la la!“ Hält man sich jedoch zurück. Dafür reicht dieser unausgewogene Mix aus Popballaden und Anleihen an vergangene Jahrzehnte nicht und versinkt ambitioniert und gekonnt im Mittelmaß.

Anspieltipps:

  • Songbird
  • Now You See Her
  • The In-Between Place

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